Venezuela / Medien

Eigentümerwechsel bei Globovisión

Venezuelas privater Nachrichtenkanal verbleibt mehrheitlich im Familienbesitz. Diskussion um Meinungsfreiheit eröffnet den Wahlkampf

enapoyoazuloaga2.jpg

Guillermo Zuloaga, Präsident von Globovisión, beklagt die Einschränkung der Meinungsfreiheit
Guillermo Zuloaga, Präsident von Globovisión, beklagt die Einschränkung der Meinungsfreiheit

Caracas. Der bekannte venezolanische Nachrichtenkanal Globovisión steht unmittelbar vor einem Besitzerwechsel. Dies gab der größte Anteilseigner, Guillermo Zuloaga, am Dienstag in Caracas bekannt. Demnach wird seine Investmentgruppe Unitel ihre Anteile zum 15. April an den Finanzinvestor Juan Domingo Cordero verkaufen. Damit bleibt der Sender praktisch im Familienbesitz, denn bei Domingo Cordero handelt es sich um den Onkel von Guillermo Zuloagas Ehefrau. Der 1994 gegründete Sender Globovisión geriet durch die internationale Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten, weil die Bank des finanzstärksten Teilhabers, Nelson Mezerhane, Insolvenz anmelden musste. Die venezolanische Regierung verstaatlichte das Geldhaus und kam für ihre Verbindlichkeiten in Höhe von fast 500 Millionen US-Dollar auf.

Bei den Unterstützern der Regierung des verstorbenen Staatschefs Hugo Chávez ist Globovisión wegen seiner besonders parteiischen und unsachlichen Berichterstattung berüchtigt. So hatte der sozialdemokratische Politiker Rafael Poleo im Oktober 2008 in der Sendung "Aló Ciudadano" angekündigt, dass Hugo Chávez enden werde wie der italienische Diktator Benito Mussolini, "aufgehängt und mit dem Kopf nach unten". Später ergänzte Poleo, der auch Herausgeber einer der größten Tageszeitungen des Landes ist, "Pass auf dich auf, Hugo, weil du Mussolini ähnelst".

Nach diesem Vorfall eröffnete die Aufsichtsbehörde Conatel erstmals in der Amtszeit von Hugo Chávez ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Mediengesetz. Diesem Verfahren folgten bis heute sechs weitere. Zumeist warf Conatel dem Sender vor, zu "Hass und Gewalt" aufzurufen. Allerdings endete nur das letzte mit einer Geldstrafe. Weil der Sender durch verzerrte Berichterstattung den Eindruck erweckte, die Sicherheitskräfte würden ein Massaker an Insassen der Haftanstalt El Rodeo verüben, wurde Globovisión im Jahr 2011 zu einer Geldstrafe in Höhe von 7,5 Prozent seiner 2010 veranlagten Gewinne verurteilt.

Zu der Frage, ob sich mit dem Eigentümerwechsel die inhaltliche Linie der Berichterstattung verändern werde, machte Guillermo Zuloaga widersprüchliche Angaben. Gegenüber der Tageszeitung El Nacional erklärte er, die bisherige redaktionelle Linie werde beibehalten. In einem offenen Brief an die Mitarbeiter des Senders schrieb Zuloaga: "Im vergangenen Jahr habe ich entschieden, alles in meiner Macht stehende zu unternehmen, um einen Wahlsieg der Opposition im Oktober zu gewährleisten." Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der Wechsel erst am Tag nach den für den 14. April angesetzten Neuwahlen für das Präsidentenamt stattfinden werde.

Damit scheint die angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit erneut ein wichtiges Kampagnenthema für die venezolanische Opposition zu werden. Auch die spanische Tageszeitung El País betitelte ihren Beitrag zu dem Vorgang mit den Worten: "Der letzte kritische Fernsehsender stürzt". Unter ähnlichen Schlagzeilen hatte die Zeitung bereits mehrmals über medienpolitische Ereignisse in Venezuela berichtet. Der Eigentümer von El País, der spanische Medienkonzern Prisa, besitzt mit Unión Radio eine der größten Radioketten Venezuelas. Die fünf landesweit ausgestrahlten Programme der Gruppe gehören gemeinsam mit Globovisión und den zahlreichen Tageszeitungen des Landes zu den Medien, welche die Politik der Regierung am schärfsten angreifen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr