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06.08.2013 Kuba / Wirtschaft

Neue Maschinen für Kubas Landwirtschaft

Altes Gerät soll erneuert werden. Importe aus Russland, China und Brasilien. Regierung will nach wie vor hohe Importe von Lebensmitteln senken
Für höhere Erträge: Bewässerungssystem in Kuba

Für höhere Erträge: Bewässerungssystem in Kuba

Havanna. Kubas Regierung und agrarwirtschaftliche Verbände haben eine neue Initiative gestartet, um die Effizienz in der Landwirtschaft zu erhöhen. Nach Angaben der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Prensa Latina soll dazu in großem Maßstab landwirtschaftliches Gerät aus China, Brasilien und Russland importiert werden. Auch im karibischen Klima wichtige Bewässerungsanlagen sollen angeschafft werden, berichtet die Agentur.

Von den gut 66.000 Traktoren der staatlichen Landwirtschaft seien 87 Prozent älter als 15 Jahre, heißt es in den Berichten weiter. Während 40 solcher Maschinen in Russland neu gekauft werden sollen, will das Landwirtschaftsministerium 300 alte Traktoren reparieren lassen. Zugleich kündigten die Behörden an, 90 agroindustrielle Bewässerungssysteme zu installieren. Sie sollen vor allem dabei helfen, die Produktion der für die kubanische Küche wichtigen schwarzen Bohnen zu steigern.

Die Effizienz der Landwirtschaft ist in Kuba seit Jahren eines der wichtigsten Themen. Nach der Auflösung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) 1991 war das Land in eine schwere ökonomische Krise geraten, die bis heute die Agrarproduktion hemmt. Derzeit muss Kuba rund 80 Prozent der im Land benötigten Nahrungsmittel importieren.

Landwirtschaftsfunktionär René Rico López: "Probleme von 1990 wirken nach"

Quelle: Privat

Im Interview mit amerika21.de zeigt sich der kubanische Agrarfunktionär René Rico López zuversichtlich, dass die laufenden Reformen in der Landwirtschaft die Lage verbessern. "Neu ist, dass mit dem Pächter eine Hauptnutzung vereinbart wird. Das kann ein bestimmtes Produkt sein oder auch Viehzucht. So können die zuständigen Behörden das Angebot kontrollieren. Zugleich können die neuen Landwirte aber einen Teil des Landes nach eigenem Ermessen bewirtschaften", sagte er. Dies habe zwei Vorteile: Zum einen sei die Ernährung der beteiligten Familien abgesichert. Zum anderen werde so eine breite Palette von Agrarprodukten für den lokalen Markt hergestellt, so Rico López, Direktor der Tierzuchtorganisation ACPA in der ostkubanischen Provinz Guantánamo. Neu ist nach seinen Angaben auch, dass die Pächter auf dem bewirtschafteten Land ein eigenes Wohnhaus errichten können. Dies sei ein großer Anreiz für Kubanerinnen und Kubaner, in die Landwirtschaft einzusteigen.

Nach Rico López’ Ansicht wird sich die hohe Importrate bei Lebensmitteln in dem Maße verringern, in dem mehr produziert wird. Man müsse sich  vergegenwärtigen, "dass auch der Landwirtschaft vor der Krise der kubanischen Wirtschaft 1990 viele Ressourcen zur Verfügung standen und die Versorgung der Bevölkerung in einem weitaus höheren Maße garantiert war." Der Mangel an Treibstoff oder Ersatzteilen für Maschinen nach 1990 hätte natürlich auch die Landwirtschaft hart getroffen. Hinzu komme die seit Jahrzehnten bestehende US-Blockade. Dort, wo man in Kuba unter normalen Bedingungen auf einer bestimmen Fläche zwei Tonnen Bohnen produzieren könne, wäre ohne ausreichende Bewässerung bestenfalls nur noch eine halbe Tonne erreichbar: "Solche Probleme haben uns nach 1990 ständig verfolgt und wirken bis heute nach."

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