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Colonia Dignidad: Demonstranten in Berlin fordern Aufarbeitung

Colonia Dignidad: Demonstranten in Berlin fordern Aufarbeitung
Quelle: @Santiago Engelhardt

Berlin. Zahlreiche Demonstranten haben am 10. September vor dem Auswärtigen Amt  von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen zur Aufarbeitung der in der Colonia Dignidad begangenen Menschenrechtsverbrechen eingefordert. In dem von deutschen Auswanderern gegründeten Siedlungsareal waren während der chilenischen Militärdiktatur hunderte politische Gegner gefoltert und ermordet worden. Zuvor hatten bereits am 8. September in Chile über 100 Angehörige von verschwundenen Gefangenen der Diktatur am Eingangstor der Colonia Dignidad (heute: Villa Baviera) die Errichtung einer Gedenkstätte durch die deutsche und die chilenische Regierung gefordert.

Die Demonstranten forderten einen transparenten und selbstkritischen Umgang  mit der Vergangenheit: "Deutschland hat in den härtesten Jahren der chilenischen Militärdiktatur gegenüber den bekanntgewordenen Verbrechen der Colonia Dignidad äußerste Zurückhaltung geübt und diese sogar teilweise öffentlich verteidigt" so der Menschenrechtler Dieter Maier. "Durch ein energischeres Einschreiten hätten damals viele Menschenrechtsverbrechen verhindert werden können. Es ist an der Zeit, die Leiden der Opfer anzuerkennen und sich zur eigenen Mitverantwortung zu bekennen", so Maier. In diesem Zusammenhang sprach er sich für den Bau einer Gedenkstätte am Eingangstor zur Colonia Dignidad aus.

Demonstrationszug gegen die Straflosigkeit vor dem Auswärtigen Amt in Berlin

Quelle: @Santiago Engelhardt

Der Chilene Erick Zott, der 1975 in der Colonia Dignidad gefoltert wurde, forderte eine zügige strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen der Colonia Dignidad in Chile und Deutschland. "23 Jahre nach Ende der Militärdiktatur gibt es noch keine rechtskräftige Verurteilung von Tätern der Colonia Dignidad für dort begangene Menschenrechtsverbrechen. Täter der Colonia Dignidad, die nach Deutschland kommen, dürfen hier nicht straffrei bleiben", sagte Zott in Anspielung auf den in Krefeld lebenden Sektenarzt Hartmut Hopp. Dieser ist in Chile rechtskräftig wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch verurteilt, hat sich jedoch vor seiner Inhaftierung nach Deutschland abgesetzt. Die Krefelder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn auch wegen möglicher Beihilfe zum Mord an politischen Gefangenen der Diktatur. Eine Anklage wurde bislang nicht erhoben. Amerika21 hat bereits mehrfach über diesen Fall berichtet.

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Demonstrationszug gegen die Straflosigkeit vor dem Auswärtigen Amt in Berlin
Der Chilene Erick Zott, der 1975 in der Colonia Dignidad gefoltert wurde, forderte vor dem Auswärtigen Amt eine zügige strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen der Colonia Dignidad.

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