Bruder von Ex-Präsident Uribe wird wegen Paramilitarismus vernommen

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Santiago Uribe, jüngerer Bruder des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe
Santiago Uribe, jüngerer Bruder des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe

Bogotá. Die Staatsanwaltschaft wird am kommenden 14. Oktober Santiago Uribe Vélez aufgrund möglicher Verbindungen zu Paramilitärs vernehmen. Es ist das erste Mal, dass ein Familienmitglied des früheren kolumbianischen Präsidenten so weit in ein Ermittlungsverfahren wegen Paramilitarismus verstrickt ist. Santiago Uribe soll in den 90er Jahren die paramilitärische Gruppe "Die zwölf Apostel" im Bundesstaat Antioquia gegründet und geleitet haben. Dies sagte der Ex-Polizeioberst Juan Carlos Meneses, der selbst für die Gruppe gearbeitet hatte, im Jahr 2010 aus.

"Die zwölf Apostel" hätten in der Umgebung der Finca La Carolina der Familie Uribe im Gemeindebezirk Yarumal Diebe und Drogensüchtige getötet. Auch Bauern, die angeblich Helfer der Guerillas waren, seien ermordet worden. Dies bestätigen aus dieser Zeit stammende Archivdokumente des Ortes. Das Oberste Verwaltungsgericht Kolumbiens stellte außerdem fest, dass Händler und Viehzüchter der Region "Die zwölf Apostel" finanziert hätten. Die Paramilitärs hätten mit Unterstützung der Polizei und des Militärs operiert.

Santiago Uribe war bereits Ende der 90er Jahre wegen der Zugehörigkeit zu der paramilitärischen Gruppe vernommen worden, die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. Der Fall wurde erst 2010 wiedereröffnet, als Meneses in Argentinien zum ersten Mal aussagte. Er musste aufgrund von Todesdrohungen Kolumbien verlassen, nachdem die meisten weiteren ehemaligen Mitglieder der paramilitärischen Struktur nacheinander ermordet worden waren. Meneses ging zunächst nach Venezuela.

Im Jahr 2012 klagte der Anwalt der Familie Uribe, dass die Aussagen des "falschen Zeugen" Folgen der Manipulation von venezolanischen Persönlichkeiten und Behörden seien. Unter ihnen befänden sich das Mitglied der regierenden Sozialistischen Partei (PSUV) Ydelfonso Finol "und anscheinend der Außenminister Nicolás Maduro", sagte der Anwalt.

Allerdings belastete ein weiterer Zeuge den Bruder des Ex-Präsidenten. Der in Chile exilierte Bauer Eunice Alfonso Pineda sagte bei einer offiziellen Aussage in der kolumbianischen Botschaft aus, wie Santiago Uribe den Paramilitärs Waffen übergab.

Ebenso hat der in die USA ausgelieferte Drogenhändler Pablo Hernán Sierra, auch als "Tuso" bekannt, nicht nur gegen Santiago Uribe sondern auch gegen den Ex-Präsidenten selbst ausgesagt. Die Brüder hätten die paramilitärische Struktur Bloque Metro gebildet, so "Tuso". Auf ihrer Finca Guacharacas hätten die Paramilitärs trainiert. Außerdem habe Santiago Uribe gemeinsam mit dem Paramilitär-Chef Daniel Rendón Kokain exportiert.

Santiago Uribes Anwalt kündigte an, er werde die Fragen der Staatsanwaltschaft beantworten und beweisen, dass die Ermittlung wegen falschen Anschuldigungen eingestellt werden müsse.

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