Demokratie-Index der Konrad-Adenauer-Stiftung für Lateinamerika

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Unter Ideologieverdacht: Der neue Demokratieindex für Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung
Unter Ideologieverdacht: Der neue Demokratieindex für Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung

Berlin/Buenos Aires. Am 1. Oktober 2013 ist in den Räumen der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung  in Berlin der sogenannte Demokratie-Index Lateinamerika IDD-LAT 2013 vorgestellt worden. Der aktuelle Demokratiereport wurde von dem argentinischen Meinungsforschungsinstitut Polilat erstellt und von der CDU-nahen Stiftung finanziert. Es handelt sich dabei um die 12. Ausgabe. Ziel des Demokratieindexes ist es laut Pressemitteilung der Konrad-Adenauer-Stiftung,  "die politischen Entwicklungstendenzen Lateinamerikas zu beleuchten und den aktuellen Stand der Demokratie-Entwicklung in der Region eingehend zu analysieren und darzustellen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung will damit Politikern in Führungsfunktionen ein transparentes Instrument der Schwachstellenanalyse in die Hand geben (...).“

Der Demokratie-Index wurde von der Stiftung und dem Meinungsforschungsinstitut Polilat als objektive wissenschaftliche Arbeit vorgestellt. Allerdings ist bereits der Einführungstext zu der Studie in einer Sprache verfasst, die Zweifel an dieser behaupteten Unabhängigkeit aufkommen lässt. Die Studie beginnt mit den Worten: "Die Manipulation künstlich aufgebauter Kontroversen hat sich in Lateinamerika beinahe zu einem Markenzeichen einiger Machthaber entwickelt, denen sie als Mechanismus zum Machtaufbau dient." Der weitere Text folgt dem Duktus des Einführungssatzes. 

Verfasst wurde dieses Vorwort von dem Leiter von Polilat, Jorge Arias, sowie von Georg Eickhoff, dem ehemaligen Leiter der Konrad-Adenauer- Stiftung in Venezuela. Jorge Arias, von Amerika21 angesichts der Finanzierung durch die KAS nach der Objektivität der Studie befragt, antwortet: "Wir haben zunächst nach weniger politischen Partnern gesucht, allerdings war es enorm schwierig, suprastaatliche Kooperation zu finden. Daraufhin ergab sich die Zusammenarbeit mit der KAS. Allerdings möchte ich betonen, dass bis auf einen konkreten Fall, es keine politische Intervention bei der Erstellung des Indexes von Seiten der KAS gab.“ Angesprochen auf die parteiische Sprache in der Einleitung, sagte er, "Gut, hier muss ich eingestehen, das ist der einzige Aspekt indem die KAS dieses Jahr wirklich Einfluss genommen hat."

Mitarbeiterinnen des Lateinamerika-Referats der KAS, die von Amerika21 hinsichtlich der aggressiven  und ideologischen Sprache des Index interviewt wurden, erkärten unter der Zusicherung anonym zu bleiben: "Die gewählte Sprache in der Einleitung zum Index ist sicherlich nicht hilfreich, allerdings muss man auch verstehen, dass Herr Eickhoff jahrelang in Venezuela für unsere Stiftung gearbeitet hat - so etwas prägt.“

Die Messung des IDD-Lat umfasst insgesamt 18 Länder Lateinamerikas und wird auf der Grundlage von Variablen wie Grundvoraussetzungen der Demokratie, Achtung der politischen Rechte und der Bürgerfreiheiten, Qualität der Institutionen und politische Effizienz sowie Regierungsfähigkeit, bezogen auf die Umsetzung wohlstands- und wachstumsfördernder Politikkonzepte entwickelt.  Auffallend sind dabei mehrere methodologische Schwächen. So wird zum Beispiel von allen Karibikstaaten lediglich die Dominikanische Republik in den Index aufgenommen. Dies führt automatisch zu verzerrten regionalen Messdaten. Beim Gini-Index wird lediglich das erste und letzte Fünftel berücksichtigt. Die bei der Vorstellung des Reports anwesende bolivianische Botschafterin wies in der anschließenden Diskussionrunde zudem darauf hin, dass die verwendeten Wirtschaftsdaten veraltet seien. So wird Bolivien in dem Index an letzter Stelle in der Wirtschaftsentwicklung geführt, nach den aktuellen Zahlen der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) liegt Bolivien hingegen in führender Position. Es überrascht dann auch nicht weiter, dass Venezuela im Demokratie-Ranking der Konrad-Adenauer Stiftung die letzte Position einnimmt, weit hinter Ländern wie Honduras, Paraguay und Kolumbien.

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