Brasilien / Politik

Brasilien klärt Todesursache von Ex-Präsident João Goulart

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João Goulart, von 1961-1964 Präsident Brasiliens
João Goulart, von 1961-1964 Präsident Brasiliens

Brasília. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben Experten aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern die Exhumierung der sterblichen Überreste des ehemaligen brasilianischen Präsidenten João Goulart abgeschlossen. Die Leiche des als "Jango" bekannten Präsidenten, die bislang im Familienmausoleum in Goularts Geburtsort São Borja im Süden Brasilien begraben lag, wurde noch am Donnerstag Morgen zur Untersuchung in die Hauptstadt Brasília geflogen. Hier soll geprüft werden, ob der 1976 verstorbene Jango vergiftet wurde. Bislang galt ein Herzinfarkt als offizielle Todesursache.

João Goulart wurde im Jahre 1961 zum Präsidenten Brasiliens gewählt. Nach einer geplanten Bodenreform putschten im Jahre 1964 rechte Militärs mit Unterstützung der USA und leiteten eine 21-jährige Militärdiktatur ein. Goulart musste Brasilien verlassen und starb 1976 im argentinischen Exil.

Familienangehörige des Ex-Präsidenten äußern seit langem Zweifel an der offiziellen Todesursache. Gegenüber der Presse drückten sie ihre Überzeugung aus, dass Goulart von einem argentinischen Agenten im Rahmen der Operation Condor vergiftet wurde. Dabei kooperierten in den 1970 und 1980er Jahren die Geheimdienste der Militärdiktaturen von Brasilien, Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay und Bolivien. Hunderte Gegner der Diktaturen, Linke und Menschenrechtler wurden ermordet oder "verschwanden".

Bereits im Jahr 2007 hatte die Familie Goularts die Exhumierung ihres Angehörigen gefordert. Erst 37 Jahre nach seinem Tod wurde nun auf Druck einer 2012 eingerichteten Wahrheitskommission der Klärung der Todesursache stattgegeben. João Vicente Goularts, Sohn des ehemaligen Präsidenten, nannte die Untersuchung "eine historische Erlösung, nicht nur für die Familie, sondern für das ganze Land".

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