Argentinische Regierung stoppt Suche nach während der Diktatur entführten Kindern

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"Kein Vergeben, kein Vergessen": Bild zu Ehren der Madres im Stadtteil La Boca in Buenos Aires. Es wurde vom Wandmaler Lucas Quinto entworfen
"Kein Vergeben, kein Vergessen": Bild zu Ehren der Madres im Stadtteil La Boca in Buenos Aires. Es wurde vom Wandmaler Lucas Quinto entworfen

Buenos Aires. Der argentinische Präsident Javier Milei hat den Versand von DNA-Testkits an Konsulate im Ausland eingestellt und damit die Suche nach während der Militärdiktatur entführten Babys unterbrochen. Die Einstellung des Versands wird mit dem Vorwand begründet, dass die Aufbewahrung der DNA-Proben rechtlich nicht gültig sei, obwohl dieses Verfahren seit 20 Jahren erfolgreich funktioniert hat. Das berichtete die Nachrichtenagentur Telesur.

Nach Angaben der Orinoco Tribune wird dieses Argument von Fachleuten zurückgewiesen, die die Wirksamkeit des seit 2005 unter Verwendung von Diplomatenpost angewandten Verfahrens hervorheben. Gleichzeitig werden Gedenkstätten wie die ehemalige Marine-Mechanikerschule (ESMA), das wichtigste geheime Haftzentrum während der Diktatur, abgebaut und die Universität der Großmütter der Plaza de Mayo zum Verkauf angeboten, so Orinoco Tribune.

Die Menschenrechtsorganisation Abuelas de Plaza de Mayo, die nach während der Militärdiktatur zur Zwangsadoption freigegebenen Kindern sucht und ihre Rückführung zu den Ursprungsfamilien unterstützt, veröffentlichte eine Erklärung: "Wir fordern die Regierung auf, die Verfahren zur Probenentnahme in den Konsulaten zu regeln. Der Mangel an DNA-Testkits für die Probenentnahme in Konsulaten bei möglichen entführten Enkelinnen und Enkeln […] muss umgehend behoben werden".

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Die Großmütter der Plaza de Mayo betonen, "dass das Verbrechen der Entführung erst dann beendet ist, wenn das Opfer und seine Familie die Wahrheit erfahren". Zudem weisen sie darauf hin, dass weiterhin rund 300 Menschen unter falschen Namen leben, ohne ihre Herkunft zu kennen, während ihre leiblichen Familien seit mehr als vier Jahrzehnten nach ihnen suchen.

Die Aufarbeitung der Militärdiktatur wird unter der derzeitigen argentinischen Regierung systematisch eingeschränkt. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Vizepräsidentin Victoria Villarruel, die die Verbrechen der Diktatur nicht nur relativiert, sondern die an den Verbrechen beteiligten Kräfte öffentlich verteidigt und eine Täter-Opfer-Umkehr betreibt (amerika21 berichtete). Villarruel ist selbst Tochter eines hochrangigen Militärangehörigen, der während der Diktatur im Kampf gegen "Guerillas" sowie im Falklandkrieg aktiv war.