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04.05.2014 Bolivien / Chile / Politik

Chile verneint souveränen Pazifikzugang für Bolivien

Der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz verneint Boliviens Forderung nach einen souveränen Meereszugang

Der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz verneint Boliviens Forderung nach einen souveränen Meereszugang

Santiago de Chile. Der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz hat in einem Interview mit dem Nachrichtenkanal CNN Chile verkündet, dass die Türen für einen Meereszugang des Nachbarlandes Boliviens "für immer geschlossen sind". Boliviens Präsident Evo Morales war zuvor am 15. April persönlich nach Den Haag gereist, um beim Internationalen Gerichtshof die Beweisführung der bolivianischen Klage für einen souveränen Meereszugang auf aktuell chilenischen Territorium einzureichen.

"Bolivien fordert, dass Chile dazu gezwungen wird, über einen souveränen Meereszugang zu verhandeln. Wir haben sehr gute Argumente, um uns dagegen zu wehren", sagte Muñoz Bezug nehmend auf die Anrufung des Internationalen Gerichtshofes durch Bolivien.

Während der chilenische Außenminister kritisiert, dass der juristische Vorstoß Boliviens den konstruktiven Dialog behindere, den die beiden Länder in den vergangenen Jahren aufgebaut hätten, betont der bolivianische Präsident die Wichtigkeit eines politischen Dialoges parallel zur Verhandlung am Internationalen Gerichtshof. Zudem sagte er: "Wenn sogar ein Diktator wie Augusto Pinochet einen Meereszugang vorgeschlagen hat, hoffen wir, dass ein sozialistische Regierung diese Forderung umsetzen kann."

Das Verhältnis zwischen Bolivien und Chile war streckenweise sehr angespannt. Seit 1978 unterhalten die beiden Länder beispielsweise keine diplomatischen Beziehungen mehr. Diese Spannungen gründen sich unter anderem auf dem bolivianischen Anspruch nach einem souveränen Zugang zum Pazifik, welchen das Land 1879 im Pazifikkrieg an Chile abtreten musste. Das 120.000 Quadratkilometer umfassende Küstengebiet, das durch sein Reichtum an Schwefel, Salpeter und insbesondere Kupfer der chilenischen Wirtschaft hohe Erträge einbringt, wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts von Bolivien zurückgefordert.

Nachdem während der ersten Regierungszeit Michelle Bachelets von 2006 bis 2010 gute Voraussetzungen für eventuelle Verhandlungen über einen Zugang Boliviens zum Pazifik geschaffen worden waren, wurde diese Politik von ihrem Amtsnachfolger, dem rechtsliberalen Sebastián Piñera, nicht weiterverfolgt. Daraufhin reichte Bolivien am 24. April 2013 eine Klage beim Internationalen Gerichtshof ein, in der Chile dazu aufgefordert wird, den Anspruch Boliviens auf einen Meereszugang anzuerkennen sowie Verhandlungen zuzustimmen. Chile muss seine Stellungnahme bis zum 18. Februar 2015 in Den Haag vorlegen.

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