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08.06.2014 Deutschland / Venezuela / Politik

Angeblicher Putschist flieht aus Caracas nach Berlin

Auf der Flucht: Ricardo Koesling

Auf der Flucht: Ricardo Koesling

Quelle: aporrea.org

Berlin/Caracas. Einer der gesuchten Hintermänner eines mutmaßlichen Putschversuchs in Venezuela hat sich offenbar nach Berlin abgesetzt, um den Justizbehörden des südamerikanischen Landes zu entgehen. Das regierungsnahe venezolanische Internetportal aporrea.org berichtet, dass der ehemalige leitende Beamte der Geheimpolizei DISIP, Ricardo Koesling, über Trinidad ausgereist ist, um sich nach Berlin abzusetzen. Koesling gehört zu einer Gruppe von sieben Regierungsgegnern, die von der venezolanischen Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit mutmaßlichen Plänen für einen Umsturz und die Ermordung von Präsident Nicolás Madudro vorgeladen worden sind.

Aporrea.org nennt für die Informationen keinen Quellen. Allerdings wurden über die Seite in der Vergangenheit aus Regierungs- oder Behördenkreisen wiederholt Informationen lanciert, die sich später verifizieren ließen. Die deutschen Behörden waren für eine Nachfrage von amerika21.de am Wochenende nicht zu erreichen. Auch in Venezuela wurden offenbar noch keine konkreten Schritte eingeleitet. Aus diplomatischen Kreisen hieß es, dass nach internationalen Rechtsnormen alleine die Staatsanwaltschaft des Landes handlungsbefugt sei.

Der Anwalt und ehemalige DISIP-Funktionär Koesling soll nach eigenen Angaben Berlin als Zufluchtsort genutzt haben, weil er dort kein Asyl beantragen müsse, schreibt aporrea.org in einer kurzen Meldung. Unklar blieb, ob der Mann in Deutschland über familiäre Kontakte oder gar die deutsche Staatsbürgerschaft verfügt. Vor seiner Flucht aus Venezuela habe Koesling die Anschuldigungen der Justizbehörden und von Justizminister Miguel Rodríguez Torres als unbegründet zurückgewiesen. E-Mails, die von der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurden, um ihn zu belasten, seien eine Fälschung, zitiert das Internetportal Koesling. Das entsprechende E-Mail-Konto sei bereits im vergangenen Jahr gehackt worden, um ihm Straftaten unterzuschieben.

Neben Koesling haben offenbar zwei weitere prominente Regierungsgegner das Land verlassen: Henrique Salas Römer, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Carabobo, und der Oppositionspolitiker Pedro Burelli.

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