Russlands Präsident beendet Lateinamerika-Reise

Zustimmung bei Einsatz für multipolare Weltordnung. Zwischenstation in Nicaragua. Wirtschaftskooperation wird intensiviert. BRICS-Gipfel in Fortaleza

rousseff-putin.jpg

"Zusammentreffen strategischer Art": Wladimir Putin und Dilma Rousseff
"Zusammentreffen strategischer Art": Wladimir Putin und Dilma Rousseff

Brasília. Russlands Präsident Wladimir Putin beendet heute seine sechstägige Lateinamerika-Reise mit der Teilnahme am Gipfeltreffen der BRICS-Staaten im brasilianischen Fortaleza. Zuvor war er in Kuba, Nicaragua und Argentinien zu Gast gewesen. Die Teilnahme am sechsten Gipfeltreffen der BRICS- Staaten, dem Kooperationsforum von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, war als letzter großer Programmpunkt eingeplant.

Die Reise Putins wurde in lateinamerikanischen Medien als historisch bewertet. Sie falle in eine Zeit, in der die Länder der Region mit Nachdruck eine multipolare Weltordnung und die Akzeptanz neuer internationaler Akteure als gleichberechtigte Partner einfordern, hieß es.

"Russland wünscht die Zusammenarbeit mit einem geeinten, starken und unabhängigen Lateinamerika", sagte Putin im Vorfeld seiner Reise in einem Interview mit der kubanischen Presseagentur Prensa Latina. Zugleich trat er dem globalen Führungsanspruch der USA entgegen, den US-Präsident Barack Obama erst im Mai in einer Rede vor der Militärakademie West Point erneuert hatte. Die Welt des 21. Jahrhunderts könne keine Lösungen für ihre Probleme finden, wenn "ein Staat oder eine Staatengruppe sie nach eigenem Gutdünken" durchsetzen möchten, so Putin. Zugleich würdigte er die Erfolge bei der lateinamerikanischen Integration in jüngster Zeit.

Die Station auf Kuba nutzte er, um die Streichung von 90 Prozent der Schulden Havannas bei der früheren Sowjetunion zu bestätigen. Die restlichen zehn Prozent sollen in Entwicklungsprojekte auf der Insel neu investiert werden. Staatschef Raúl Castro erinnerte an die Bedeutung der ursprünglichen Gelder "für das Überleben der kubanischen Revolution" und bedankte sich für die aktuelle "Großzügigkeit des russischen Volkes".

Die Streichung des größten Teiles der Altschulden war bereits seit Oktober 2013 vorbereitet worden. Eine Woche vor dem Besuch von Präsident Putin in Kuba hat das russische Parlament einem Abkommen zugestimmt, mit dem Schulden im Umfang von 35,2 Milliarden Dollar gestrichen werden.

Kuba und die russische Delegation schlossen mehrere bilaterale Abkommen über Energie, Industrie, Infrastruktur, Gesundheitswesen und Katastrophenschutz ab. Schließlich versicherte Putin Russlands Hilfe für Kubas "Kampf gegen die US-Blockade".

Im Rahmen der Lateinamerika-Reise machte Putin überraschend auch Stopp in Nicaragua. Dessen Präsident Daniel Ortega empfing zum ersten Mal in der Geschichte des Landes einen russischen Präsidenten. Bei dem Treffen wurde unter anderem über das wirtschaftliche Engagement Russlands in dem mittelamerikanischen Land gesprochen. Ortega würdigte Friedensinitiativen, die Russland in jüngster Zeit bei zahlreichen internationalen Konflikten ergriffen habe. Er betonte zudem, dass beide Seiten im Kampf gegen Drogenhandel, organisierte Kriminalität und Terrorismus engagiert seien.

Auch in der Begegnung Putins mit Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández stand die Begründung einer multipolaren Weltordnung im Vordergrund. Fernández betonte, gerade Lateinamerika sei ein Beispiel für die Erfordernisse der Multipolarität. In wirtschaftlicher Hinsicht sei die Diversifizierung der nationalen Ökonomien und des internationalen Handels für Schwellenländer wie Argentinien die größte Herausforderung und Russland sei für diese Perspektive ein hervorragender Partner. Putin erklärte indes, dass Russland für eine Verhandlungslösung zwischen Großbritannien und Argentinien in der Frage der Malwinen (Falkland-Inseln) eintrete.

Beim Treffen mit seiner brasilianischen Amtskollegin Dilma Rousseff stand die Stärkung der Allianz der Eurasischen Union mit Lateinamerika im Zentrum. Brasilien und Russland hätten bei Schlüsselproblemen der Welt und der Charta der UNO gemeinsame Ansichten, so Putin. Nach der Unterzeichnung bilateraler Abkommen über Rüstungsgüter und im Energiebereich erläuterte Rousseff Präsident Putin weitere Möglichkeiten für russische Unternehmen in den Bereichen Bauwirtschaft und Schienenverkehr. Beide Seiten vereinbarten einen Aktionsplan zur Verdoppelung des Handelsvolumens in den kommenden Jahren.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr