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22.07.2014 Venezuela / Soziales

Neue Aktionen gegen extreme Armut in Venezuela

Sozialprogramme sollen effektiver gestaltet werden. Ständige Teams aus Ärzten, Erziehern, Kultur- und Sportinstrukteuren in den betroffenen Gemeinden
Ein Team der Sozialprogramme im Gespräch mit einer Bewohnerin von San Pedro de Guarenas, Bundesstaat Miranda

Ein Team der Sozialprogramme im Gespräch mit einer Bewohnerin von San Pedro de Guarenas, Bundesstaat Miranda

Quelle: albaciudad.org

Caracas. Mit einem umfangreichen Maßnahmekatalog will die Regierung Venezuelas bis zum Jahr 2019 die extreme Armut in dem südamerikanischen Land beseitigen. Dafür werden derzeit "Stützpunkte der sozialistischen Sozialprogramme" (Bases de Misiones Socialistas) in den 1.500 Gemeinden eingerichtet, die als extrem arm eingestuft wurden. Dadurch sollen 71 Prozent betroffenen Personen erfasst werden. Die übrigen 29 Prozent leben weit verstreut. In den Stützpunkten, die in den kommenden zwei Monate fertig gestellt sein sollen, arbeiten ständig Teams aus Ärzten, Erziehern, Kultur- und Sportinstrukteuren.

Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde betrug 2001 die extreme Armut, gemessen an unbefriedigten Grundbedürfnissen, 17 Prozent. Für das Jahr 2012 wurde sie mit sieben Prozent angegeben und gegenwärtig beläuft sie sich auf 5,5 Prozent.

Die Bewohner der 1.500 Gemeinden sollen nicht nur verstärkt Beistand in der medizinischen Versorgung und im Bildungsbereich erhalten, sondern werden auch in das staatliche Wohnungsbauprogramm und in das "Barrio Nuevo Tricolor"-Programm einbezogen, mit dem die Lebensbedingungen in den bestehenden Vierteln verbessert werden sollen. Ein großer Teil der selbstgebauten Behausungen muss begutachtet werden. Wenn die betroffenen Familien in Gebieten leben, die bei starken Regenfällen von Erdrutschen bedroht sind, sollen sie Wohnungen in staatlichen Neubausiedlungen bekommen.

Für Hector Rodríguez, den für Soziales zuständigen Vizepräsidenten und einer der Verantwortlichen auf nationaler Ebene, stellt die Schaffung des landesweiten Stützpunktsystems eine "zielsichere Strategie" dar, weil sie es ermögliche, die Sozialprogramme effektiver zu gestalten und die wirtschaftlichen Ressourcen für soziale Aufgaben gezielter einzusetzen. Die Behörden werden wöchentlich eine Anzahl von Indikatoren kontrollieren, um abzusichern, dass die gestellten Ziele erreicht werden.

Erste Maßnahmen des "Nationalen Planes zur Beseitigung der absoluten Armut" wurden unter anderem im Bundesstaat Barinas umgesetzt, wo 34.000 Haushalte von Ärztinnen und Ärzten aufgesucht wurden. Dabei wurden 13 Schwerpunktgebiete festgelegt. Im Bundesstaat Miranda bezieht das Programm 24 Gemeinden im Landkreis Guaicaipuro ein, die vorrangig Unterstützung erfahren. Die Sozialstadträtin Jessica Torres aus Guaicaipuro erklärte, dass Haushalt um Haushalt zur Erfassung der Familien aufgesucht werde, um danach Pläne auszuarbeiten, den Bedürfnissen der Einwohner gerecht zu werden. Im Bundesstaat Zulia gingen die Teams in der Gemeinde Valle Encantado zu 452 Familien mit 4.084 Personen, um deren Bedürfnisse zu festzustellen.

Über Twitter hatte Präsident Nicolás Maduro angekündigt, am vergangenen Wochenende gemeinsam mit dem Kabinett, Gouverneuren, Ärzten sowie Kulturschaffenden und Sportlehrern in einem freiwilligen Arbeitseinsatz vor Ort zusammen mit den Gemeinden den Fortschritt beim Aufbau der 1.500 Stützpunkte in sechs Bundesstaaten zu kontrollieren. Unter anderem geschah dies im Bundesstaat Carabobo in der Gemeinde Brisas de Guataparo, wo es an Abwasserleitungen, modernen Wohnungen, sicheren Elektroleitungen und Schulen mangelt.

Vizepräsident Jorge Arreaza, der mit den Ministern aus dem Sozialbereich an einem der landesweiten "Roten Sonntage der Sozialprogramme" im Bezirk Antimano in Caracas teilnahm, sagte zu dem Regierungsvorhaben, das Wichtigste sei, die Lösungen gemeinsam mit der Bevölkerung zu erarbeiten. Für jeden Sektor, für jede Familie müsse eine spezielle Politik entwickelt werden. "Was wir nicht machen dürfen, ist, mit verschränkten Armen die Armut einfach hinnehmen", so Arreaza. Es gehe nicht um Fürsorge, sondern darum, die Probleme zu lösen.

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