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Papst Franziskus hebt Suspendierung von Miguel d'Escoto auf

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Miguel D'Escoto als Präsident der UN-Generalversammlung
Miguel D'Escoto als Präsident der UN-Generalversammlung

Vatikanstadt/Managua. Der amtierende Papst Franziskus hat die von seinem Amtsvorgänger Johannes Paul II. vor 29 Jahren angeordnete Suspendierung des katholischen Priesters und ehemaligen Außenministers von Nicaragua, Miguel d’Escoto, kritisiert und aufgehoben. Der Geistliche und Linkenpolitiker war einer der bekanntesten Köpfe der Sandinistischen Revolution und stand mit dem antikommunistisch ausgerichteten Vatikan in Konflikt.

D'Escoto war bereits als Priester der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) beigetreten und wurde nach der Revolution 1979 für über ein Jahrzehnt Außenminister der Regierung des damaligen und aktuellen Präsidenten Daniel Ortega. Im Jahr 1984 hatte Papst Johannes Paul II. ihn seiner kirchlichen Ämter enthoben. Er führte als Begründung an, dass kirchliche Würden die Ausübung politischer Ämter ausschließen.

In einer Pressekonferenz Anfang dieser Woche nannte D’Escoto die "Suspensio a divinis" durch den damaligen Papst einen Amtsmissbrauch. Er habe immer der Autorität Folge leisten, aber niemals sein Gewissen verraten wollen. Was Rom von ihm verlangte, hätte bedeutet, das Volk, dessen legitime Erwartungen und Rechte sowie die sandinistische Revolution zu verraten.

1984 hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag die USA auf D'Escotos Betreiben wegen militärischer und paramilitärischer Aktivitäten gegen das kleine mittelamerikanische Land verurteilt. Der Diplomat spielte eine wichtige Rolle in den Friedensverhandlungen von Esquipulas Ende der 1980er Jahre. In den Jahren 2008 und 2009 war er Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen.  D'Escoto ist derzeit außenpolitischer Berater von Präsident Ortega.

Die Regierung Nicaraguas begrüßte den Schritt von Papst Franziskus.

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