Mexiko / Medien

Mexikos Behörden schweigen zum Mord an Journalisten

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Kampagne von Article 19: "Straflosigkeit tötet"
Kampagne von Article 19: "Straflosigkeit tötet"

Oaxaca Stadt. Im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca ist erneut ein Journalist ermordet worden. Grund für das Gewaltverbrechen war offenbar auch seine kritische Berichterstattung über die Verwicklung der örtlichen Polizei in Korruption. Der Journalist Octavio Rojas Hernández wurde am 11. August von Unbekannten vor seinem Haus erschossen. Der fünfte tödliche Anschlag auf einen Pressevertreter in diesem Jahr geschah in Cosolapa, Oaxaca.

Rojas, hauptberuflich Kommunikationsbeauftragter der linksgerichteten Gemeinderegierung von Cosolapa, schrieb nebenamtlich für die Zeitung "El Buen Tono" mit Sitz im nahegelegenen Córdoba, Veracruz. Seine letzte Reportage wenige Tage vor seinem Tod hatte das illegale Anzapfen von PEMEX-Erdölpipelines in der Region zum Thema sowie die angebliche Verwicklung des Polizeichefs von Cosolapa in diese Diebstähle. Der Polizeichef gilt seit dem Mord am Journalisten als verschwunden. Die Hypothese, dass Rojas wegen seiner journalistischen Tätigkeiten ermordet wurde, ist naheliegend. Doch abgesehen von einer kurzen Tatortnotiz der Untersuchungsbehörden hat sich bisher keine mexikanische Behörde zu dem Verbrechen geäußert.

Die Nichtregierungsorganisation Article 19, welche die schwierige Lage der Medienschaffenden in Mexiko dokumentiert, forderte in einem Schreiben die Behörden auf, die Spur der journalistischen Tätigkeit nicht zu vernachlässigen. Zahlreiche politisch motivierte Morde in Oaxaca wurden in den vergangenen Jahren nicht aufgeklärt, bei vielen unterstellten die Behörden persönliche Motive. Sowohl in Oaxaca als auch auf föderaler Ebene sind spezielle Gesetze und Mechanismen zum Schutz der Medienschaffenden und Menschenrechtler geschaffen worden, die jedoch oft unwirksam bleiben.

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Darío Ramírez, Direktor von Article 19, ging noch einen Schritt weiter und verurteilte mit scharfen Worten die fehlende Berichterstattung in der mexikanischen Presse. Das Schweigen der Medien im Falle des ermordeten Kollegen sei "schmerzhaft, unglaubwürdig und komplizenhaft", schreibt Ramírez in seinem Twitter-Account.

Internationale Journalistenverbände und der Ausschuss für Pressefreiheit der Interamerikanischen Menschenrechtskommission forderten in Stellungnahmen eine umfassende Aufklärung des Mordes an Octavio Rojas Hernández.

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