Kolumbien / Politik

Kolumbianischer General ist Gefangener der FARC

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Der Friedensdelegierte der FARC, Rubin Morro, verliest das Kommuniqué zur Gefangennahme von General Alzate
Der Friedensdelegierte der FARC, Rubin Morro, verliest das Kommuniqué zur Gefangennahme von General Alzate

Bogotá/Havanna. Die FARC-Guerilla hat Brigadegeneral Rubén Darío Alzate Mora und seine zwei Begleiter gefangengenommen. Dies geht aus einem Kommuniqué der Rebellen hervor, das im Internet publiziert und von der Friedensdelegation der FARC bei einer Pressekonferenz in Havanna vorgetragen wurde.

Die drei Personen seien am vergangenen Sonntag von einer Patrouille des "Block Iván Rios" angehalten worden. Nachdem ihre Identität feststand, seien sie abgeführt worden, da es sich um "feindliches Militärpersonal" gehandelt habe, "das sich in Ausübung seiner Funktionen in einem Kriegsgebiet" aufhielt.

Die Rebellen betonen ihren Willen zum Frieden und die Notwendigkeit des Dialogs, zu dem sie immer bereit gewesen seien. Zugleich üben sie scharfe Kritik an der Regierung und der "Oligarchie" des südamerikanischen Landes. Präsident Santos bekräftige trotz der laufenden Friedensgespräche in Havanna öffentlich bei jeder Gelegenheit den Befehl, mit der ganzen Macht des Staates gegen die FARC vorzugehen. Sein Verteidigungsminister spreche ständig davon, dass "die Köpfe der Guerilla demnächst fallen."

Ihr Hochmut bringe "die Oligarchie dazu zu denken, dass sie sogar mitten im Friedensprozess das Recht hat, Kolumbianer zu töten und zu zerstückeln, zu terrorisieren und niederzumachen, ohne dass diese auch nur das geringste Recht haben, auf ihre Gewalt zu antworten. Ohne bilateralen Waffenstillstand, kann das, was der Präsident Spielregeln nennt, nicht nur für die staatlichen Sicherheitskräfte gelten", heißt es in dem Kommuniqué des Generalstabes des Blocks Iván Rios weiter.

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Die Friedensdelegation der FARC forderte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Havanna die Weiterführung der Friedensgespräche. Ihr Sprecher Pastor Alape erinnerte daran, dass Präsident Santos immer darauf bestanden habe, den Krieg während der laufenden Verhandlungen weiterzuführen. Zu Beginn der Gespräche sei vereinbart worden, dass Ereignisse im Rahmen des Konfliktes auf kolumbianischem Territorium den Dialog in Havanna nicht beinträchtigen. Santos habe sich nicht daran gehalten und überraschend die Gespräche suspendiert. Mehr denn je gehe es jetzt um einen Waffenstillstand. Der Präsident solle den Krieg beenden, nicht den Dialog.

Eine Stellungnahme der Regierung zu der FARC-Erklärung liegt bislang nicht vor.

Anlässlich des zweiten Jahrestages des Beginns der Verhandlungen in Havanna kündigten politische und soziale Organisationen für den heutigen Mittwoch eine Großdemonstration in Bogotá zur Unterstützung des Friedensprozesses an. Zentrale Forderungen sind die Weiterführung des Dialogs und eine sofortige Waffenruhe. Aktivisten betonen, dass die Regierung Santos ständig militärische Offensiven gegen die FARC durchführe, bei der zahlreiche Guerilleros ums Leben kommen oder gefangengenommen werden. Auch seien mehrere führende Mitglieder der FARC gezielt getötet worden. Dennoch habe die Guerilla die Friedensgespräche nie suspendiert.

Die Kampagne "#Tregua Ya" (Waffenruhe jetzt) in den sozialen Netzwerken findet unterdessen immer breitere Unterstützung.

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