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09.12.2014 Chile / Politik / Soziales

Hochschulbildung in Chile ab 2016 gratis

Chiles Innenminister Rodrigo Peñailillo hat den Beginn einer kostenfreien universitäre Bildung für März 2016 angekündigt

Chiles Innenminister Rodrigo Peñailillo hat den Beginn einer kostenfreien universitäre Bildung für März 2016 angekündigt

Santiago. Chiles Innenminister Rodrigo Peñailillo hat den Beginn einer kostenfreien universitären Bildung für März 2016 angekündigt. "Wir haben die finanziellen Mittel, da wir die Steuerreform verabschiedet haben“, so der Minister. Zudem versicherte er, dass die Überwindung sozioökonomischer Ungleichheiten, die sich auch im chilenischen Bildungssystem abzeichnen, Priorität der aktuellen Regierung sei.

Die Steuerreform, die im März dieses Jahres im Abgeordnetenhaus und im September im Senat bewilligt wurde, bildet die Grundlage für die Unentgeltlichkeit der Hochschulbildung. Nach vollständiger Umsetzung der Reform werden dem Staatshaushalt ab 2018 rund acht Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung stehen, die in die Bildungsreform sowie in Sozialpolitiken fließen werden.

Peñailillos Ankündigung geschah vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens der Bevölkerung in die Bildungsreform. Laut den neuesten Umfrageergebnissen ist Bildungsminister Nicolás Eyzaguirre mit nur 32 Prozent Unterstützung der unbeliebteste Minister im Kabinett von Präsidentin Michellle Bachelet. Kritisiert wird neben der ins Stocken geratenen Bildungsreform, die inzwischen nur noch von 36 Prozent der Bevölkerung gutgeheißen wird, der fehlende Fokus auf die Verbesserung der Qualität der Bildung sowie der Umgang mit den Forderungen der Lehrerschaft nach besseren Arbeitsbedingungen.

Auch die Präsidentin musste an Unterstützung einbüßen. Zum ersten Mal seit Amtsantritt sprechen sich über fünfzig Prozent der Befragten gegen ihr Mandat aus. Das Versprechen, die kostenfreie Hochschulbildung bis 2016 zu verwirklichen, hatte Bachelet bereits im August diesen Jahres abgegeben. In einem Interview mit der chilenischen Zeitung Cooperativa hatte sie zudem bekräftigt, dass sie an den Zielen der Bildungsreform festhalte. Den Unmut der Bevölkerung erklärte sie damit, dass die Entscheidung, einzelne bildungspolitische Gesetzesentwürfe in beiden Kammern einzubringen, um den Reformprozess zu beschleunigen, für Verwirrung und Missverständnisse gesorgt hätten. "Es handelt sich um eine ganzheitliche, vollständige Reform", so die Präsidentin damals.

Neben der neuen Steuerpolitik sowie der für 2015 anberaumten Verfassungsreform gehört die aktuell diskutierte Neugestaltung des Bildungssystems zu den drei Säulen von Bachelets Reformpolitik. Mit dem Versprechen, das hochprivatisierte Bildungssystem des Landes grundlegend zu reformieren, hatte sich die Präsidentin auch die Unterstützung weiter Teile der Schüler- und Studentenbewegung gesichert, die seit zehn Jahren für öffentliche, kostenfreie und qualitativ hochwertige Bidlung mobilisieren.

Unterdessen hat eine unabhängige Studie, die vergangene Woche dem UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vorgelegt worden war, ergeben, dass Chiles Bildungssystem die höchste Privatisierungsquote unter den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat und sich durch eine starke sozioökonomische Segregation auszeichnet. Laut der Studie wird die Bildung bislang zu 40 Prozent und die universitäre sogar zu 76 Prozent durch Privatmittel finanziert.

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