Oxfam: Höchste soziale Ungleichheit in Lateinamerika

Die Zahl der Milliardäre ist in Lateinamerika zwischen 2012 und 2013 um 38 Prozent angestiegen - mehr als in jeder anderen Region der Welt

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Laut dem Oxfambericht ist die Zahl der Superreichen in Lateinamerika extrem angestiegen
Laut dem Oxfambericht ist die Zahl der Superreichen in Lateinamerika extrem angestiegen

Oxford.  Lateinamerika ist weiterhin die Region mit der weltweit größten Ungleichheit. Dies geht aus dem Oxfam-Bericht "Even it up: Time to end extreme inequality" (sinngemäß: "Gleich es aus - Zeit, die extreme Ungleichheit zu beenden") hervor. Dort ist laut Oxfam die Zahl der Reichen, die mehr als eine Milliarde US-Dollar besitzen, zwischen 2012 und 2013 um 38 Prozent angestiegen. Keine andere Weltregion verzeichnet so einen hohen Anstieg.

Der Bericht, der am 29. Oktober veröffentlicht wurde und Unterstützung unter anderem vom ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan und dem Wirtschaftswissenschaftler Jospeh Stiglitz erhielt, zieht eine Verbindung zwischen dem ökonomischen Denken der vergangenen Jahrzehnte und der hohen sozialen Ungleichheit in der Welt. Diese seien von einem marktfundamentalistischen Ansatz geprägt, nach dem staatliche Interventionen zurückgefahren und die Märkte sich selbst überlassen werden sollen, um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Oxfarm verweist auf die neuesten Erkenntnisse, die der französische Ökonom Thomas Piketty in seinem Buch "Capital in the Twenty-First Century" veröffentlicht hat: Reine Marktökonomie tendiert dazu, Wohlstand in den Händen einiger weniger zu konzentrieren. Als ein Beispiel dafür wird in dem Bericht auf die lateinamerikanische Schuldenkrise verwiesen, der in vielen Ländern der Region eine Epoche der Deregulierung, Privatisierung und Reduzierung öffentlicher Ausgaben folgte. Im Jahr 2000 hatte die soziale Ungleichheit in Lateinamerika Rekordhöhe erreicht.

Investitionen in das Gesundheits- und Bildungswesen seien gute Waffen im Kampf gegen die Ungleichheit, so Oxfam. In Argentinien, Bolivien, Brasilien, Mexiko und Uruguay haben gute Gesundheitsfürsorge und Bildungssysteme zu einer Reduzierung der Ungleichheit von zehn bis 20 Prozent beigetragen. In diesem Zusammenhang verweist Oxfam auf eine Wikileaks-Veröffentlichung vom 19. Juni 2014 über die Verhandlungen zum "Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen" der WTO. In dem Leak des zweiten Entwurfs des Abkommens werden Vereinbarungen festgechrieben, die die Privatisierung von einer Reihe öffentlicher Dienste wie Gesundheitswesen, Telekommunikation und Verkehrswesen unwiderruflich machen sollen.

Der Bericht lobt aber auch Länder wie Brasilien und Ecuador, wo die Gehälter gestiegen sind. In Brasilien sei der reale Mindestlohn zwischen 1995 und 2011 um 50 Prozent gestiegen, parallel dazu fiel der Gini-Koeffizient, der die soziale Ungleichheit misst. Doch das allein reiche nicht, um diese zu bekämpfen. Eine der wichtigsten Maßnahmen der Regierungen weltweit müsse ein Vorgehen gegen die Steuerflucht von Firmen und Privatpersonen sein. Die Reichen Lateinamerikas haben bis zu 2 Milliarden US-Dollar in Steuerparadiesen geparkt. Steuerumgehung in Lateinamerika reicht von 46 Prozent in Mexiko bis zu 65 Prozent in Ecuador, so Oxfam.

Nach Recherche der Hilfsorganisation besitzen die 85 Reichsten der Welt genau so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen – das sind rund 3,5 Milliarden Menschen. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt fast die Hälfte des Weltvermögens.

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