Gipfel der Völker: Industrienationen müssen Verantwortung übernehmen

Indigene Rechte und Kritik am Kapitalismus stehen im Mittelpunkt des Alternativen Klimagipfels. Marsch durch Lima bringt Forderungen auf die Straße

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Demonstrierende beim "Marsch zur Verteidigung der Mutter Erde" in Lima
Demonstrierende beim "Marsch zur Verteidigung der Mutter Erde" in Lima

Lima. In der peruanischen Hauptstadt ist der Alternative Klimagipfel zu Ende gegangen, der parallel zum offiziellen UN-Klimagipfel COP20 stattfand.

Auf dem "Gipfel der Völker" trafen sich rund 3.000 Aktivisten, Politiker, Künstler, Gewerkschaftsführer und Vertreter von Bauern- und Landlosenbewegungen sowie indigenen Völkern aus allen Teilen der Welt. Die Teilnehmenden setzten sich bei dem viertägigen Treffen mit Themen wie der globalen Erwärmung, dem Klimawandel, der Krise der Zivilisation und der Nahrungsmittelsouveränität auseinander. Das Abschlussdokument, das den Regierungsvertretern des UN-Gipfels überreicht wurde, fordert unter anderem eine größere Verantwortung der Industrienationen und eine Auseinandersetzung mit den sozialen Folgen des Klimawandels, vor allem in den Ländern des globalen Südens.

In den Debatten des "Gipfels der Völker" wurde immer wieder Kritik an der sogenannten grünen Ökonomie geübt, deren Lösungsansätze die kapitalistische Gewinnlogik weiterhin über den Schutz von Natur und Mensch stellen würden. "Unser Ziel mit diesem parallelen Treffen ist es, die Täuschungen über den Klimawandel und die Sorgen der großen kapitalistischen Unternehmen zu demaskieren, die in Wahrheit für die Verschärfung des Zustandes der Natur verantwortlich sind", so Lourdes Huanca vom peruanischen Frauenverband Femucarinap. Die Industriestaaten müssten außerdem ihre historische und ökologische Schuld gegenüber den Ländern des globalen Südens anerkennen und entsprechend Verantwortung übernehmen, heißt es im Abschlussdokument des Gipfels.

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Vor allem die Rechte indigener Völker und der Schutz der Biodiversität wurden in den Mittelpunkt des Alternativen Treffens gestellt. In der Deklaration fordern die Teilnehmenden "Respekt vor indigenen Territorien, Rechten und Lebensweisen, vor unseren Kulturen, Gebräuchen und Kosmovisionen über das Leben und die Welt, in der wir leben." Des Weiteren wird die Ausbeutung von Bodenschätzen und Territorien durch extraktive Industrien kritisiert, die enorme Eingriffe in die Lebensweisen der Indigenen zur Folge habe und ihre Identität in Frage stelle. Abschließend wird in der Deklaration ein umfassender Dialog zwischen Regierungen und der Zivilgesellschaft gefordert, um gemeinsame Lösungen für verantwortungsbewussten Konsum und die Bekämpfung des Klimawandels zu entwickeln.

An dem Treffen in der peruanischen Hauptstadt nahmen auch Teilnehmer der "Klimakarawane durch Lateinamerika" teil. Sie waren am zweiten März diesen Jahres in Mexiko gestartet und seitdem vor allem durch indigene Gemeinden in Zentralamerika, Kolumbien und Ecuador gereist, die von Umweltzerstörung und Landkonflikten betroffen sind. Sie forderten unter anderem die Schaffung eines internationalen Netzwerkes zum Schutz indigener Territorien, freien Zugang zu Trinkwasser und den Stopp der Förderungen von Mineralien und Erdöl, da diese für Umweltverschmutzung und Klimakatastrophen verantwortlich seien.

Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember riefen die Organisatoren des Gipfels außerdem zum "Marsch zur Verteidigung der Mutter Erde" auf die Straße und brachten mit rund 10.000 Demonstrierenden ihre Forderungen öffentlich zum Ausdruck. Dabei wurde vor allem auf das Risiko aufmerksam gemacht, dass bei dem UN-Klimagipfel erneut kaum substanzielle Einigungen erzielt werden könnten und somit ein Übereinkommen auf dem Klimagipfel im kommenden Jahr in Paris schwer vorstellbar wird. Auch die mangelnde Infragestellung des kapitalistischen Systems, Forderungen nach dem Selbstbestimmungsrecht indigener Völker und alternativen Konzepten wie dem Buen Vivir wurden von den Beteiligten aufgegriffen.

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