Nicaragua / Wirtschaft / Umwelt

Kanalbau in Nicaragua weiter umstritten

Opposition sucht internationale Unterstützung bei Celac, EU und Vatikan. Befürworter bieten der Regierung Land an, um den Kanalbau zu sichern

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Die geplante Route des Nicaragua-Kanals
Die geplante Route des Nicaragua-Kanals

Bélen/Managua. Vertreter des Nationalen Rates für die Verteidigung des Landes, des Sees und der Nationalen Souveränität sind anlässlich des Celac-Gipfeltreffens nach Costa Rica gereist, um für regionale Unterstützung gegen den Kanalbau zu werben. Die Delegation aus Nicaragua, bestehend aus 40 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Parteien, darunter Umweltschützer und Menschenrechtler, wollte den Celac-Mitgliedern einen offenen Brief bezüglich des Kanalbaus vorlegen. Darin prangern sie die fehlende Transparenz sowie die Bedrohung indigener Landrechte und die Gefahr der Zerstörung des Nicaraguasees an.

Luisa Molina, Direktorin der Menschenrechtsorganisation Coordinadora Civil betont, dass die ökologischen Folgen des Kanalprojekts nicht nur unmittelbar am Nicaraguasee, sondern auch im Nachbarland Costa Rica sowie in ganz Mittelamerika zu spüren sein werden. Auf lokaler Ebene würde der Kanal Zehntausende Menschen von ihrem Land und ihrer traditionellen Lebensweise verdrängen, davon wären sowohl indigene Kleinbauern als auch Fischer betroffen, so Molina.

Die Kanalgegner kündigten auch die Sammlung von einer Million Unterschriften an, um sie an Papst Franziskus zu schicken.

Vertreter des Nationalen Rates suchten in Managua das Gespräch mit dem Botschafter der Europäischen Union in Nicaragua, Javier Sandomingo, um ihre Beunruhigung über das Megaprojekt auszudrücken. Der Koordinator des Rates, Octavio Ortega Arana, sagte nach dem Treffen, der spanische Diplomat habe sie damit "überrascht", dass es in Europa Organisationen gebe, die am Thema Kanalbau in Nicaragua interressiert seien, vor allem Umweltschutzgruppen. Ein anderes Thema sei das Interesse einiger europäischer Botschafter gewesen, mehr über den Kanal zu erfahren.

"Wir möchten Entwicklung für Nicaragua, aber wir möchten auch, dass die Stimme des Volkes gehört wird, denn bisher wurde sie weder in einem Referendum noch in einem Volksentscheid gehört", sagte Ortega Arana. Es gehe ihnen um einen Dialog mit der Regierung, nachdem das 50-Milliarden-Dollar-Projekt innerhalb von drei Tagen durch das nicaraguanische Parlament beschlossen worden sei. "Die Antwort der Bevölkerung ist der Protest, denn sie hat der Regierung nie einen Freibrief über ihr Land gegeben, damit jene es einfach verkaufen kann." Ortega Arana betonte weiter, dass es ihnen nicht um die Höhe des Preises für die Ländereien gehe, denn es gebe keinen Preis, über den sie verhandeln wollten.

Befürworter des Projekts demonstrierten indes am vergangenen Samstag in Managua für den Kanalbau. Am Gebäude der UNO übergaben sie einen Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und erläuterten ihre Unterstützung für den Interozeanischen Kanal: Das Projekt schaffe Arbeitsplätze und bringe dem Land wirtschaftlichen Nutzen. Der Regierung von Präsident Daniel Ortega boten sie an, 2800 Manzanas Land (rund 2000 Hektar) entlang der Route des Kanals zum Verkauf freizugeben und somit die Weiterführung des Projekts zu sichern.

Die Bewegung Bürgerrechte Ohne Grenzen, welche die Demonstration organisiert hatte, setzt sich vor allem aus Bewohnern der Region San Miguelito am Fluss San Juan zusammen. Sie bieten die Grundstücke zum Katasterwert an, der erheblich unter dem Marktwert liegt, um den Bau des Kanals nicht weiter zu verzögern durch andere Gruppen, die ihre Ländereien nicht verkaufen wollen, sagte José Luis Ruiz, Mitglied der Bewegung.

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