DruckversionEinem Freund senden
03.02.2015 Mexiko / Kultur / Menschenrechte

Rezension: Koltavanej – Ein Film von Concepción Suárez Aguilar

Indigene Aktivistinnen im Film Koltavanej

Indigene Aktivistinnen im Film Koltavanej

Lizenz: María Cameras Myers, Concepción Suárez Aguilar, Jaime Luis Mecías Deara

Ein kleiner Raum, nur ein paar Quadratmeter groß. Die Wände zur Dämmung abgeklebt mit Eierkartons. Spärliche Einrichtung. Ein Stuhl, ein Tisch und eine Telefonanlage. Ein Freizeichen ist zu hören, dann eine Frauenstimme. Sie beginnt zu erzählen.

Die Stimme gehört Rosa López Díaz, 33 Jahre alt. Seit fünf Jahren sitzt sie im Gefängnis. Verurteilt zu 27 Jahren Haft für eine Tat, die sie nicht begangen hat. Koltavanej, der Debütfilm der mexikanischen Regisseurin Concepción Suárez Aguilar aus dem Jahr 2013, erzählt auf bedrückende Weise die Geschichte der indigenen Frau.

Rosa López Diaz blickt im Gespräch mit der Frau am anderen Ende der Leitung zunächst auf ihre Kindheit zurück, die durch die liebevolle Beziehung zu ihrem Vater geprägt wurde. Von ihrer Mutter lernte sie jedoch früh, sich den gesellschaftlichen Erwartungen an sie als Frau zu fügen. Erste Erfahrungen mit Gewalt machte Rosa López Diaz dann in ihrer ersten Ehe, aus der sie sich jedoch nach kurzer Zeit in die Freiheit retten konnte. Eine glückliche neue Beziehung folgte.

Die Regisseurin Concepción Suárez Aguilar

Lizenz: Erick Acosta

Am 10. Mai 2007 wird Rosa López Diaz auf offener Straße verhaftet. Sie ist im vierten Monat schwanger. Auf die äußerst brutale Festnahme folgen Tritte in den Unterleib bei der Ankunft der Frau im Gefängnis. Rosa wird während ihrer Vernehmungen immer wieder schwer misshandelt und zu einem Geständnis gezwungen. Für eine angeblich geplante Entführung wird sie zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Ihr Sohn, der im Gefängnis zu Welt kommt, leidet in Folge der Misshandlungen der Mutter an zerebraler Kinderlähmung. Nur die Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern und die Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich für Gerechtigkeit für die Gefangenen einsetzt, halten Rosa am Leben. Während die Insassen den Hungerstreik als Waffe nutzen, versammeln sich vor den Gefängnistoren Aktivisten, um gegen das Unrecht und für die Freilassung der unschuldig Inhaftierten zu protestieren.

Der Kurzfilm Koltavanej dokumentiert die Geschichte der Protagonistin, ohne sie je getroffen zu haben oder ihre Lebenswelt, weder die aktuelle noch die vergangene, kennengelernt zu haben. Eine ungewöhnliche Dokumentation. Durch ein Telefoninterview kann Rosa López Diaz aus dem Gefängnis heraus ihr Geschichte erzählen, die kein Einzelfall ist. Sie steht stellvertretend für das Schicksal tausender indigener Frauen in Mexiko, die häufig unter Folter zu falschen Geständnissen gezwungen werden und ihr Leben unschuldig im Gefängnis verbringen.


Im Rahmen der 65. internationalen Filmfestspiele Berlin, die vom 5. bis 15. Februar stattfinden, präsentieren wir hier in den kommenden Tagen und Wochen einige Filme aus der Sonderreihe zum indigenen Kino Lateinamerikas. Unter der Überschrift 'NATIVe – A Journey into Indigenous Cinema' werden auf der Berlinale insgesamt 18 Spiel- und Dokumentarfilme aus den Jahren 1986 bis 2014 gezeigt.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Alle Bilder dieses Artikels

Indigene Aktivistinnen im Film Koltavanej
Die Regisseurin Concepción Suárez Aguilar

Was Sie auch interessieren könnte ...

02.02.2015 Nachricht von Peter Clausing
28.12.2013 Nachricht von Redaktion