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Ecuador fahndet nach Nazi-Verbrechern

Nazi-Gruß am Grab des Kriegsverbrechers Walther Rauff 1984 in Santiago de Chile

Nazi-Gruß am Grab des Kriegsverbrechers Walther Rauff 1984 in Santiago de Chile

Ludwigsburg/Quito. Zwei deutsche Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft wollen in Ecuador Spuren von Nazikriegsverbrechern ausfindig machen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in das südamerikanische Land abgesetzt haben könnten. Das berichtete die Botschaft Ecuadors in Berlin. Oberstaatsanwalt Schrimm und Hauptkommissar Uwe Steinz würden in Ecuador Archive durchforsten.

Ziel der Reise ist nach Angaben der Botschaft, der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen mit Sitz im baden-württembergischen Ludwigsburg neue Erkenntnisse über die Flucht von NS-Verbrechern nach Ecuador zu ermöglichen. Auf Vermittlung des Honorarkonsuls der Republik in Ecuador in Ludwigsburg, Siegfried Rapp, besuchte der Botschafter des Landes, Jorge Jurado, Ende März die Forschungsstelle.

Schrimm, der die Zentralstelle in Ludwigsburg leitet, und Steinz erkundigten sich dabei nach den Möglichkeiten, in Ecuador Einsicht in Dokumente, Unterlagen und Archive zu erhalten. Ziel dieser Vorermittlungen solle das Auffinden und Auswerten von Dokumenten flüchtiger NS-Verbrecher sein. Die Zentralstelle übermittelt solche Erkenntnisse dann an die zuständige Staatsanwaltschaft. Diese wiederum entscheidet, ob Anklage erhoben werden kann.

Der Botschafter Ecuadors sicherte zu, die Zentralstelle bei ihren Bemühungen zu unterstützen und die Erlaubnis zur Einsicht in alle notwendigen Archive einzuholen. "Da bei der Arbeit der Zentralen Stelle der Zeitfaktor eine große Rolle spielt, werden die beiden Ermittler zeitnah nach Ecuador reisen, um ihre Arbeit vor Ort aufzunehmen", heißt es in einer Erklärung der Botschaft.

Oberstaatsanwalt Schrimm und Hauptkommissar Steinz haben bereits in der Vergangenheit nach Naziverbrechern in Südamerika gefahndet. 2012 durchforsteten sie Archive in Brasilien und Chile auf Hinweise nach geflohenen NS-Verbrechern. "In Rio de Janeiro soll es Geheimdienstakten zu Nazi-Tätern geben, die Ende der 40er-Jahre nach Brasilien einreisen wollten", sagte Schrimm damals in Medieninterviews. Der Tipp stammte von einer Historikerin aus Brasilien. Zwischen 1945 und 1959 siedelten rund 20.000 Deutsche nach Brasilien um. Einige unter falschem Namen und mit düsterer Vergangenheit.

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