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Große zapatistische Tagung in Chiapas

Zapatistische Gemeinden, Aktivisten, Intellektuelle und Zivilbevölkerung diskutierten über Auswege aus dem Kapitalismus. Macho-Kultur auch ein Thema
Das Problem des Machismo innerhalb der Organisationen, Gemeinden, Familien und Schulen war ebenfalls Thema der Tagung

Das Problem des Machismo innerhalb der Organisationen, Gemeinden, Familien und Schulen war ebenfalls Thema der Tagung

Chiapas, Mexiko. Vom 3. bis 9. Mai hat die von der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) organisierte Tagung "Kritisches Denken im Angesicht der kapitalistischen Hydra" stattgefunden. Die Veranstaltung ist im zapatistischen autonomen Gebiet Oventik im Bundesstaat Chiapas durchgeführt worden und hatte mehr als 1.500 Teilnehmer. Unter den Referenten waren auch bekannte linke Intellektuelle wie John Halloway, Adolfo Gilly, Raul Zibechi, Luis Villoro, Silvia Federici sowie Vertreter unabhängiger Organisationen, Eltern der verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa, Mitglieder der zapatistischen autonomen Gebiete und die Führungsspitze der EZLN.

Auswirkungen des Kapitalismus standen im Zentrum der Debatte. Es wurde über die Privatisierung von Bildungs- und Gesundheitsvorsorge, die Enteignung von Land, die prekären Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sowie über die Wege zur Überwindung des Kapitalismus diskutiert.

Gleich am ersten Seminartag sprachen vier Eltern der 43 verschwundenen und sechs ermordeten Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa. Anwesend war Berta Nava, Mutter von Julio Cesar Ramirez Nava. Der junge Mann ist am 26. September 2014 von der Bundespolizei erschossen worden. Die Eltern erzählten von den Versuchen der Regierung, sie durch Einschüchterung, Drohungen und sogar Bestechungen zum Schweigen zu bringen.

Die Tagung "Kritisches Denken im Angesicht der kapitalistischen Hydra" hatte mehr als 1.500 Teilnehmer.

Quelle: pozol.org

Für Eltern sei das Verschwindenlassen in Mexiko nicht die Ausnahme, wie die Regierung dies darstelle, sondern habe System. "Wir wollen euch darum bitten, dass ihr uns nicht alleinlasst. Wir wollen, dass die mexikanische Regierung uns unsere Kinder zurückgibt, denn es war der Staat, der unsere Kinder ermordet und entführt hat", so Berta Nava.

Die Referenten haben ebenso das Problem des Machismo innerhalb der Organisationen, Gemeinden, Familien und Schulen thematisiert. "Viele der Compañeros in der Organisation kamen mit schlechten und veralteten Ideen über Frauen und deren Arbeit", erklärte die Kommandantin Miriam, eine der vier Vertreterinnen der EZLN in dem Seminar. "Es war nicht einfach", betonte Rosalinda, als sie über die Arbeit der ersten zapatistischen Kämpferinnen in den Gemeinden sprach. "Wir wurden langsam aktiver, wir verloren dann die Hemmungen und die Angst und beteiligten uns mehr und mehr in der Bewegung", erzählte die junge Frau, die nun Kommandantin ist.

Die italienische Feministin Silvia Federici sprach in ihrem Beitrag von der heutigen Restrukturierung des kapitalistischen Systems. Dabei werde eine neue Arbeiterklasse gebildet, die keine Rechte habe, flexibel sein müsse und prekäre Löhne bekäme, wobei der Lohn von Frauen am niedrigsten sei. Vor allem Frauen ohne Ausbildung, Bäuerinnen und Migrantinnen spürten dies am meisten.

Referenten auf dem Podium

Am letzten Tag des Seminars sprach Comandante Moises. Er räumte mit dem angeblichen Appell der EZLN, am kommenden 7. Juni nicht wählen zu gehen, auf: "Wir sagen euch nicht, dass ihr wählen gehen sollt oder nicht. Die Wahlen interessieren uns gar nicht. Was wir euch sagen wollen, ist, dass ihr euch organisieren sollt, um den Kapitalismus zu bekämpfen."

Ähnliche Worte sprach Comandante Tacho beim Abschluss des Seminars, der zudem betonte, dass der Untergang des Kapitalismus bevorstehe. "In unseren Händen liegt nun die Möglichkeit, eine bessere Welt zu schaffen, in der die Regierung gehorcht und das Volk entscheidet", fügte er noch an.

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Das Problem des Machismo innerhalb der Organisationen, Gemeinden, Familien und Schulen war ebenfalls Thema der Tagung
Die Tagung "Kritisches Denken im Angesicht der kapitalistischen Hydra" hatte mehr als 1.500 Teilnehmer.
Referenten auf dem Podium

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