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24.07.2015 Amerikas / Medien

Fernsehsender Telesur feiert sein zehnjähriges Jubiläum

Sender soll Gegengewicht zu westlichen Informationskonzernen bilden. Mehrere Staaten beteiligt. Weitgehend positive Resonanz in Lateinamerika
Telesur-Logo

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Quelle: telesurtv.net

Caracas. Die "Stimme aus dem Süden" feiert ihren zehnten Geburtstag: Am 24. Juli 2005 wurde der lateinamerikanische Fernsehsender Telesur gegründet. Die Schaffung eines eigenen Nachrichtenkanals war damals eines der ambitioniertesten Projekte des inzwischen verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez. Ob er die Idee hatte oder ob sie von Kubas Revolutionsführer Fidel Castro stammt, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Fakt ist: Telesur ist zu einer festen Größe im internationalen Nachrichtengeschäft geworden. Vor allem in Lateinamerika hat der Sender neben den westlichen Nachrichtenanbietern inzwischen einen großen Einfluss. Zum zehnjährigen Bestehen will Telesur nun sein Angebot auf den englisch- und arabischsprachigen Raum erweitern.

Der Telesur-Journalist Jashet Villegas schrieb in einem Blog-Eintrag, Telesur habe "unsere Völker zu Protagonisten der Nachrichten" gemacht. "Die Nachrichten erreichen unsere Redaktion aus allen Ecken Lateinamerikas und werden mit größtem Respekt und mit journalistischer Sorgfalt behandelt, um sie auf dem Bildschirm und unserer Webseite zu zeigen, wo sie die sozialen Themen und den Kampf unserer Völker für eine bessere Welt sichtbar machen", fasst Villegas den Anspruch des Senders zusammen.

"Nuestro Norte es el Sur" ist der Leitspruch des Senders mit Sitz in Caracas. Ein Wortspiel: "Norte", der Norden, steht im Spanischen auch für Ziel oder Orientierung, womit die Kernidee umrissen ist. Denn anders als das US-amerikanische CNN-Netzwerk oder die britische BBC will Telesur zunächst aus Lateinamerika über Lateinamerika berichten. In einem zweiten Schritt soll der Sender Einfluss auf die internationalen politisch-medialen Diskurse nehmen, daher die Erweiterung in den englischen und arabischen Sprachraum. Telesur ist damit Teil eines global geführten Kampfes um die öffentliche Meinung, der spätestens mit der Gründung eines deutschsprachigen Kanals des russischen Auslandsfernsehens RT und dem Vorstoß der Deutschen Welle gen Russland jüngst auch in Europa ausgefochten wird. Eigen ist Telesur das multistaatliche Konzept. An der Aktiengesellschaft sind sieben Staaten beteiligt. Neben Venezuela halten Argentinien, Bolivien, Kuba, Ecuador, Nicaragua und Uruguay Anteile.

Anerkennende Glückwünsche gab es zum zehnjährigen Jubiläum auch vom Internationalen Studienzentrum für Kommunikation in Lateinamerika (Ciespal). Dessen Präsident Francisco Sierra betonte, Telesur sei in den vergangenen zehn Jahren zu einem Raum geworden, in dem die Völker Lateinamerikas zur Geltung kämen.

Auch der spanische Journalist und Mitorganisator des Weltsozialforums, Ignacio Ramonet, hob die Bedeutung des lateinamerikanischen Fernsehkanals hervor. "Wenn man Telesur sieht, entdeckt man ein Universum der Information, das es bei anderen internationalen Medien nicht gibt", sagte Ramonet in einem Interview mit Telesur-Präsidentin Patricia Villegas.

Der venezolanische Schriftsteller Luís Britto García würdigte Telesur für seine "Beharrlichkeit, zu zeigen, was die anderen nicht zeigen, das Verborgene aufzudecken, die dunkle Seite der Nachrichten zu zeigen". Der Sender sei "eine Stimme des Integrationsprojekts" in Lateinamerika, so Britto.

Zehn Jahre nach der Gründung gebe es noch zahlreiche Herausforderungen, sagte Senderchefin Patricia Villegas gegenüber amerika21. Telesur solle sich zu einer mehrsprachigen Nachrichtenplattform entwickeln. Dazu trage die englischsprachige Seite bei; demnächst werde man das entsprechende TV-Programm starten, ebenso wie ein arabisches Programm. "Die Schaffung eines Mediums mit mehreren Verbreitungsarten in ganz Lateinamerika ist eine enorme Herausforderung", betont Villegas. Dies betreffen technische Bereiche und die Professionalität. "Auch wenn wir über die ganzen Jahre hinweg viel Kraft in die Ausbildung investiert haben, wird das doch immer eine offene Baustelle bleiben."

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