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25.07.2015 Mexiko / Politik

Ausbruch des mexikanischen Drogenbosses blieb nicht unbemerkt

War bei seiner Flucht nicht gerade leise – Joaquín Guzmán alias "El Chapo"

War bei seiner Flucht nicht gerade leise – Joaquín Guzmán alias "El Chapo"

Quelle: flickr.com
Lizenz: CC by 2.0

Mexiko-Stadt. Die Untersuchungen zur Flucht des mexikanischen Drogenbosses Joaquín Guzmán alias "El Chapo" bringen immer neue brisante Details ans Tageslicht. Gefängnisinsassen sagten aus, dass sie bereits drei Tage vor dem Ausbruch des Anführers des Sinaloa-Kartells Lärm aus der Zelle vernommen hätten. Das berichtet der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur.

Die spektakuläre Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano durch einen Tunnel am 11. Juli ist demnach nicht so unbemerkt verlaufen wie zunächst von den mexikanischen Behörden beteuert wurde. Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses erklärten sich bereit, gegenüber der Generalstaatsanwaltschaft auszusagen; unter ihnen verurteilte Drogenhändler rivalisierender Organisationen des Sinaloa-Kartells wie Miguel Ángel Treviño, ehemaliger Chef der kriminellen Organisation Los Zetas. Laut den Berichten der Zellennachbarn sind die Ausbruchsvorbereitungen deutlich hörbar gewesen.

Die Inhaftierten aus den Zellen elf bis 18 berichteten über Lärm aus Guzmáns Zelle – drei Tage vor seinem Ausbruch. Dieser stand vermutlich in Zusammenhang mit der Bohrung des Tunneleinstiegs am Boden der Duschwanne. Darüber hinaus hätten sie am Tag des Ausbruchs Stimmen vernommen, sagten Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft. "El Chapo" habe vor dem Hinabsteigen in den Tunnel leise mit sich dort befindlichen Mitgliedern seines Kartells kommuniziert. Diese neuen Aussagen widersprechen der Behauptung des Leiters der Nationalen Sicherheitskommission. Er gab an, das Verhalten Guzmáns vor dem Ausbruch sei nicht auffällig gewesen.

In Frage wird auch die Handlungsbereitschaft der Gefängnismitarbeiter gestellt. Lediglich zwei Wachmänner durchsuchten die Zelle mehr als 15 Minuten, so die Befragten. Danach hätten sie versucht, dem Flüchtigen im 1,5 Kilometer langen Tunnel zu folgen. Für seine Durchquerung benötigten sie mehr als eine Stunde.

Guzmán verbrachte die Zeit zwischen dem 22. Februar 2014 und dem vergangenen 11. Juli in der Zelle 20 der Haftanstalt nahe Mexiko-Stadt. Dort sollte er zwölf Jahre Haft verbüßen, den Rest einer 1993 verhängten Strafe. Dieser hatte er sich bereits im Jahr 2001 durch einen ersten Ausbruch entzogen. Als einer der Hauptexporteure von Kokain in die USA wurde er für Drogenhandel und Waffenbesitz verurteilt.

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