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10.08.2015 Venezuela / Politik

"Hungermärsche" in Venezuela ohne Resonanz

Kundgebung des MUD am Samstag in Chacaito

Kundgebung des MUD am Samstag in Chacaito

Caracas. Nur wenige Personen haben am Samstag im wohlhabenden Stadtteil Chacao der venezolanischen Haupstadt Caracas an einer Kundgebung gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro teilgenommen. Das Oppositionsbündnis "Tisch der Demokratischen Einheit" (MUD) hatte unter dem Slogan "Gegen den Hunger, die Kriminalität, für die Freiheit und die Einheit" zu landesweiten Demonstrationen aufgerufen. "Alle Venezolaner, die eine demokratische Veränderung wollen und empört sind über die Situation" sollten sich daran beteiligen, so MUD-Generalsekretär Jesús Torrealba in einem Video. Auch Staatsbürger, die im Ausland leben, wurden aufgefordert, auf die Straße zu gehen.

Die oppositionsnahe Zeitung El Nacional kommentierte, der Aufruf, "in allen Hauptstädten der 24 Bundesstaaten und im Osten von Caracas zu demonstrieren" habe schlussendlich "ein paar Dutzend Personen in einer einzigen Straße der venezolanischen Hauptstadt zusammengebracht".

Der MUD behaupete zunächst, die Polizei habe die Demonstrationen verhindert, musste dann jedoch eingestehen, dass die Beteiligung gering gewesen ist. Dies ziehe jedoch den "absehbaren Triumph bei den Parlamentswahlen" im Dezember nicht in Zweifel. Es sei eine Versammlung von Aktivisten gewesen, die "massive Teilnahme der Bürger" mache sich in den Schlangen bemerkbar, die sich vor den Geschäften des Landes "auf der Suche nach Massenkonsumgütern" bildeten, erklärte Torrealba.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete in ihrer Meldung unter dem Titel: "Venezolanische Regierungskritiker protestieren gegen Hunger", dass in dem Land Haushaltsvorräte wie Mehl, Zucker, Speiseöl und Milch knapp geworden sind. Es sei jedoch unklar, ob  Hunger oder Mangelernährung wirklich zunehmen. Regierungsstatistiken zufolge gebe es weiterhin eine Verbesserung bei der Ernährung. Zudem hätten die Behörden eine Kampagne eingeführt, um die Übergewichtsrate von 40 Prozent um die Hälfte zu kürzen. Der MUD-Generalsekretär sagte gegenüber dpa, die Beteiligung am Samstag sei so gering gewesen, weil die meisten Menschen heutzutage ihre Wochenenden damit verbrächten, vor Essensausgaben Schlange zu stehen.

Erst im Juni dieses Jahres war Venezuela von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ausgezeichnet worden, weil das Milleniumsziel der Halbierung der Unterernährung erreicht wurde. 2012 hatte die FAO das südamerikanischen Land bereits für die Reduzierung der extremen Armut um 50 Prozent und im Jahr 2013 für die des Hungers von fast 14 Prozent im Jahr 1992 auf fünf Prozent im Jahr 2012 ausgezeichnet.

Aus den Angaben über den Verzehr von Nahrungsmitteln des venezolanischen Statistikinstitutes (INE) geht hervor, dass die Venezolaner durchschnittlich 2.285 Kilokalorien am Tag konsumieren und 95,4 Prozent der Bevölkerung drei Mal oder öfter am Tag essen.

Laut INE ist seit 2013 allerdings ein leichter Anstieg der Armut zu verzeichnen. So ist die Zahl der Haushalte, die aufgrund geringer Einkommen als arm gelten, im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Punkte auf 29,5 Prozent angewachsen (im Vergleich: im Jahr 1997 waren es 55,6). Die Anzahl der Haushalte, deren Grundbedürfnisse nicht befriedigt sind, stieg im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozentpunkte.

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