Staaten in Lateinamerika nehmen Flüchtlinge aus Syrien auf

Sonderprogramme in Argentinien, Brasilien und Uruguay. Chiles Regierung prüft Aufnahme. Arabische Gemeinden helfen. Kritik an Europa

xxxiv_fiesta_nacional_del_inmigrante_-_desfile_-_colectividad_arabe.jpg

Argentinier syrischer Herkunft bei einer Kundgebung für Frieden in Syrien im Jahr 2013
Argentinier syrischer Herkunft bei einer Kundgebung für Frieden in Syrien im Jahr 2013

Buenos Aires/Brasília. Die Regierung von Argentinien hat die Bedeutung eines Sonderprogramms betont, um Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufzunehmen. Zugleich erhöhen lateinamerikanische Regierungen ihre Kritik an dem Umgang europäischer Regierungen mit einer der größten internationalen Flüchtlingskrisen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff nahm vor allem das Bild eines ertrunkenen Flüchtlingsjungen zum Anlass, das Versagen Europas anzuprangern.

Das Programm in Argentinien mit dem offiziellen Titel "Spezialprogramm für Humanitäre Visa für Ausländer, die vom Konflikt in der Arabischen Republik Syrien betroffen sind" läuft bereits seit vergangenem Jahr. Nach einem Bericht des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur steht es Kriegsflüchtlingen aus Syrien offen, aber auch palästinensischen Exilanten. Es wird in seiner jetzigen Form bis zum 21. Oktober dieses Jahres aufrechterhalten werden. Flüchtlinge aus den genannten Kriegs- und Konfliktgebieten im Nahen Osten, die eine Einreiseerlaubnis erhalten, können nach drei Jahren einen permanenten Aufenthaltsstatus beantragen.

In der Begründung zu dem Visaprogramm heißt es: "In Argentinien gibt es eine starke syrische und libanesische Gemeinde, die gut vernetzt ist und die in engem Austausch mit Vereinen und Verbänden steht, die ihrerseits Solidarität mit dem Opfern des Konfliktes bewiesen haben." Die Argentinier arabischer Herkunft hätten zudem ihr Interesse betont, die Teilnehmer des Sonderprogramms bei der Aufnahme und Integration zu begleiten.

Argentinien folgt mit der Initiative dem Beispiel von Uruguay und Brasilien. Beide Staaten haben in den vergangenen Monaten Flüchtlinge aus den arabischen Kriegs- und Krisenregionen aufgenommen. 

Chiles Außenminister Heraldo Muñoz gab am Wochenende bekannt, dass auch seine Regierung mit Unterstützung der arabischen Gemeinde Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufnehmen will. "Wir analysieren diese Möglichkeit. Unsere Regierung ist über die humanitäre Lage (der Flüchtlinge) tief besorgt", sagte Muñoz. Nach Informationen der Tageszeitung La Tercera haben vor allem Vertreter der syrischen Gemeinde in Chile auf ein entsprechendes Hilfsprogramm gedrängt. In einem ersten Schritt sollen bis zu 100 Familien aufgenommen werden.

Im Fall von Brasilien sollen bereits 1.700 Personen über ein Sonderprogramm ins Land gekommen sein. Nach Schätzungen haben weitere 4.000 Flüchtlinge über andere Wege die Einreise in die südamerikanische Nation organisieren können.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff erhob indes schwere Vorwürfe gegen die europäischen Staaten. Sie bezog sich dabei vor allem auf das Schicksal eines dreijährigen Flüchtlingsjungen, der vor wenigen Tagen beim Kentern des Schlepperbootes ertrunken und tot an der türkische Küste aufgefunden worden war. Beim Untergang des Bootes kamen auch sein älterer Bruder und seine Mutter ums Leben. Die Tragödie löste international Betroffenheit aus.

"Dieses dreijährige Kind ist gestorben, weil es (in Europa) nicht willkommen war", sagte Rousseff: "Es starb, weil es seinem Schicksal überlassen wurde und weil die europäischen Staaten Barrieren gegen die Einreise dieses Kindes errichtet haben."

Brasilien stehe Menschen aus aller Welt offen, fügte die linksgerichtete Politikerin an. Zugleich betonte sie, dass in Brasilien von jeher eine Vielzahl von Volksgruppen und Migranten aus aller Welt friedlich zusammenwohnen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr