Südamerikanische Hilfe für Syrien

Brasilien nimmt Flüchlinge aus Syrien auf. Südamerikanische Präsidenten sprechen sich gegen Militäreinsatz aus

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Freiwillige verteilen Lebensmittel in Al-Ghuta, Syrien
Freiwillige verteilen Lebensmittel in Al-Ghuta, Syrien

Brasília. Am vergangenen Dienstag hat die brasilianische Regierung beschlossen, ein zweijähriges Visum für Syrer und andere vom Syrien-Konflikt betroffene Staatsbürger auszugeben. Es wird vom Nationalen Komitee für Flüchtlinge ausgestellt. Laut der Arabisch-Brasilianischen Nachrichtenagentur ANBA hat das dem Justizministerium unterstehende Komitee schon am Freitag vergangener Woche 27 Asylanträge von syrischen Flüchtlingen positiv entschieden. Bislang sollen sich 250 Syrer nach Brasilien geflüchtet haben. Das südamerikanische Land hat eine große, lang etablierte syrische Gemeinschaft, der circa drei Millionen Menschen syrischer Abstammung angehören. Die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff hat sich wiederholt gegen eine militärische Intervention in Syrien ausgesprochen, solange diese nicht vom UN-Sicherheitsrat beschlossen wurde.

Brasiliens Nachbarländer Argentinien und Uruguay haben sich kürzlich für die Entsendung humanitärer Hilfe nach Syrien ausgesprochen. Sowohl Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández als auch Uruguays Amtsträger José Mujica lehnen einen militärischen Einsatz entschieden ab.

"Das einzige Bombardement in Syrien, das ich für zulässig halte, ist das mit Milchpulver, Zwieback und Essen, weder mit Waffen noch Bomben", sagte Mujica am vergangenen Freitag gegenüber dem russischen Nachrichtensender Russia Today. "Eine militärische Intervention wäre so als ob man versuchen würde, ein Lagerfeuer mit Brennstoff zu löschen." Ein bewaffneter Eingriff in den Syrien-Konflikt würde nur den Interessen der Finanzspekulanten die Tore öffnen, so Mujica.

Seine argentinische Amtskollegin äußerte sich ähnlich: "Es macht keinen Sinn, Tote durch noch mehr Tote vermeiden zu wollen". In einem bilateralen Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin setzte sich Fernández dafür ein, dass eine Delegation mit 15 Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates nach Syrien reist. Sie erhofft sich von dieser Maßnahme einen Waffenstillstand für die geplante zweite Genfer Konferenz zur Beilegung des Syrien-Konflikts.

Auch andere Länder Lateinamerikas und der Karibik engagieren sich im Syrien-Konflikt. Mitte Juli hatte das Regionalbündnis Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerika (ALBA) in seiner siebten Sitzung beschlossen, Hilfsgüter an syrische Flüchtlinge im Libanon zu entsenden. Am 16. September erreichte ein venezolanisches Armeeflugzeug mit 6,5 Tonnen an Lebensmitteln, Medikamenten und Decken an Bord Beirut.

Der Bürgerkrieg in Syrien, der seit März 2011 andauert, hat laut UNO mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet haben. Die UN-Flüchtlingsbehörde spricht von ungefähr zwei Millionen Menschen, die aus Syrien geflüchtet sind. Erst Anfang September hat der UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres insbesondere die europäischen Staaten dazu aufgerufen, unbegrenzt syrische Flüchtlinge aufzunehmen.

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