Bolivien und Russland schließen Abkommen über Kernenergie

Vertreter beider Staaten geben Vereinbarung bekannt. Verhandlungen seit Mai 2015. Auch andere Staaten Südamerikas unterhalten Kontakte zu Moskauer Atomagentur

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Nach Unterzeichnung des Abkommens in Moskau
Nach Unterzeichnung des Abkommens in Moskau

Moskau. Der Chef der staatlichen Atomagentur Russlands (Rosatom), Sergei Kirienko, und der bolivianische Energieminister Luis Alberto Sánchez haben am Donnerstag in Moskau eine Vereinbarung zum Aufbau eines Kernenergieprojektes in Bolivien unterzeichnet. Damit finden die Verhandlungen einen Abschluss, die im Mai 2015 mit dem Besuch einer russischen Delegation in La Paz vorbereitet worden waren.

Gegenüber dem bolivianischen Fernsehsender Cadena A gab Sánchez bekannt, dass es sich bei dem Projekt um den "Aufbau eines Forschungszentrums für Nuklearenergie handelt, das sich mit wissenschaftlichen Themen für die Industrie, der Fortbildung und dem Forschungssektor befasst". Neben der Stromerzeugung sei Atomenergie darüber hinaus im medizinischen Bereich nützlich oder komme in der Geologie oder der Erdgas- und Erdölindustrie zum Einsatz. Auch beinhalte die Vereinbarung konkrete Pläne zur Qualifikation von Fachkräften und zur Aufklärung der Bevölkerung über Atomenergie. Als möglichen Standort für das Forschungszentrum nannte der bolivianische Energieminister Mallasilla im Süden von La Paz. Bevor allerdings eine Entscheidung getroffen werde, würde die Bevölkerung über das Projekt in Kenntnis gesetzt. Weitere Standorte in La Paz oder in anderen Verwaltungsbezirken des südamerikanischen Landes seien denkbar und würden mit Rosatom gemeinsam eruiert.

Rosatom gilt als eine der weltweit größten Institutionen in der zivilen und militärischen Atomindustrie. Nach eigener Darstellung ist der Staatskonzern mit dem vollständigen Namen "Föderale Agentur für Atomenergie Russlands" weltweit führend im laufenden Aufbau von Nuklearreaktoren und kontrolliert etwas mehr als ein Drittel des globalen Marktes für Urananreicherung.

Begonnen hatte die Annäherung beider Partner bei einem Treffen zwischen dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales und Russlands Präsidenten Wladimir Putin im Juli 2014 in Brasilien. Morales hatte stets betont, dass bei dem Projekt ausschließlich die friedliche Nutzung von Kernkraft angestrebt werde. Bis zum Jahr 2025 würden zur Umsetzung zwei Milliarden US-Dollar vom bolivianischen Staat bereitgestellt. Als nächster Schritt ist nun der Abschluss eines Abkommens über die friedliche Nutzung von Atomenergie auf Regierungsebene geplant.

Bolivien zieht nunmehr mit Ländern wie Venezuela, Argentinien, Peru, Kuba und Brasilien gleich, die bereits Kooperationen mit Rosatom eingegangen sind. Unter dem Eindruck der Nuklearkatastrophe in Japan im März 2011 hatten die Regierungen von Venezuela und Peru angekündigt, die Pläne zum Bau von Kernreaktoren nicht weiterzuverfolgen. Boliviens Regierung hatte zunächst ebenfalls einen Verzicht beschlossen. Im Februar 2014 stellte Präsident Morales dann jedoch Pläne zum Bau des ersten Atomreaktors des Landes vor.

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