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26.10.2015 Mexiko / Soziales / Wirtschaft

Auch Mittelschicht in Mexiko von Armutsrisiko betroffen

Die Studie belegt die allgemein zunehmende Armut in Mexiko

Die Studie belegt die allgemein zunehmende Armut in Mexiko

Mexiko-Stadt. Laut einer aktuellen Analyse der Universität Colegio de México sind rund 18 Millionen Mexikaner der Mittelklasse trotz eines regelmäßigen Einkommens von Verarmung bedroht. Die Studie "Entwicklung von Armut und sozialer Schichtung in Mexiko", die zwischen 2012 und 2014 durchgeführt wurde, will auch auf eine fehlerhafte Wirtschaftspolitik aufmerksam machen.

Bei den 18 Millionen Menschen handelt es sich teilweise um Mexikanerinnen und Mexikaner, die informellen Tätigkeiten nachgehen und somit über keine sozialen Grundabsicherungen verfügen. Aber auch ordentlich Beschäftigte seien betroffen, obwohl sie ein regelmäßiges Gehalt beziehen, mit dem sie zumindest ihre Grundbedürfnisse abdecken können. Dennoch sind sie sehr in der Entscheidung eingeschränkt, wofür sie ihr Geld ausgeben. Wichtige Ausgaben wie zum Beispiel für Bildung oder Verkehrsmittel sind kaum möglich.

"Schon ein alltäglicher Faktor könnte die 18 Millionen aufgrund ihres geringen Einkommens in die Armut bringen. Eine geringe Preiserhöhung bei Grundgütern, eine beliebige Veränderung ihres Gehalts, oder die Geburt eines Kindes", erklärte Rogelio Gómez. Er arbeitet für eine Bürgeraktion, die über die verfehlte Wirtschaftspolitik aufklären möchte. Eine Bedrohung durch Armut ist für viele Familien der Mittelklasse alltägliche Realität. Aus der Analyse geht ebenfalls hervor, dass ein "beachtlicher Anstieg von absolvierten Schuljahren nicht von besseren Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt begleitet wird."

Carlos Javier Ademe von der Fakultät für Wirtschaft der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) zeigte sich besorgt über die Situation. "Es gibt einen Diskurs, der vorgibt, dass alles in Ordnung sei, dass die Wirtschaft funktioniert, dass wir auf einem guten Weg Richtung Wohlstand seien. Aber ich glaube, dass die offiziellen Daten das Gegenteil beweisen." Aus den Prognosen lasse sich eher ablesen, dass die Wirtschaft nicht ausreichend wachsen und das Einkommen der Familien weiterhin sinken werde. Daher werde die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Mittelklasse in Gefahr sein. "Mir scheint es, als werde die Anzahl der Armen weiterhin ansteigen," ergänzte Ademe.

Diese Situation ist unter anderem auch auf einen sehr niedrigen Mindestlohn in Mexiko zurückzuführen, der gemessen an der Kaufkraft 2011 der geringste in Lateinamerika war.

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