Tuxtla Gutiérrez. Die indigene Gemeinde von San Juan Chamula hat am 4. April den 18-jährigen Royer Pérez Jiménez beerdigt. Der junge Mann verstarb am 16. März in Gewahrsam der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) im Haftzentrum von Glades County in Florida. Als Todesursache gaben die US-Behörden Suizid an. Sein Leichnam wurde erst nach mehreren Tagen freigegeben und kam am 3. April im südmexikanischen Chiapas an.
Das Bestattungsunternehmen gab als Todesursache Erhängen an. Der junge Mann war am 22. Januar von Behörden des Volusia County festgenommen worden, nachdem er einen anderen Namen angegeben hatte, was zu Anklagen wegen Identitätsbetrugs und Widerstand gegen die Staatsgewalt führte.
Royer Pérez arbeitete seit drei Jahren in einem Restaurant in Florida, wo er nach Beendigung seiner Schicht festgenommen wurde. Er befand sich bis zu seiner Überstellung in das Haftzentrum im Einwanderungsverfahren.
Laut Manuel Pérez, dem Vater des Verstorbenen, wurde sein ältester Sohn zu Unrecht als Krimineller angeklagt. "Man hat ihm eine Straftat untergeschoben", betonte Pérez gegenüber lokalen Medien. Auch an der von den US-Behörden angegebenen Todesursache Suizid hegt die Familie starke Zweifel.
Royer Pérez war einen Monat lang von der Außenwelt abgeschnitten. Erst am 13. März gelang es ihm, ein letztes Mal mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen. "Ich glaube, ich komme hier nicht mehr raus … Ich glaube, ich werde unterschreiben, damit sie mich nach Mexiko zurückschicken. Mir ist langweilig, ich sitze hier eingesperrt", sagte er bei diesem Anruf im Zuge einer Anhörung. Wie er seinem Vater berichtete, verstand er das Gerichtsverfahren nicht vollständig und hatte keinen Rechtsbeistand.
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Laut ICE werde "die offizielle Todesursache noch untersucht". Die Behörde teilte mit, dass der junge Mann beim Haftantritt alle Fragen zur Erkennung eines Suizidrisikos mit "Nein" beantwortet habe. Manuel Pérez wies darauf hin, dass die Leiche seines Sohnes sowohl am Schulterblatt als auch an der linken Hand Verletzungen aufweise, was die Zweifel der Familie an der von den US-Behörden angegebenen Todesursache Suizid noch verstärkte.
Viele indigene Regionen in Mexiko sind von struktureller Armut und damit einhergehender Auswanderung geprägt. San Juan Chamula ist eine der wichtigsten Herkunftsgemeinden von Migrant:innen in der Region der Altos von Chiapas. Allein im Jahr 2025 erhielten die 17 Gemeinden dieser Region laut der mexikanischen Staatsbank 216,8 Millionen US-Dollar an Überweisungen von Familienangehörigen aus dem Ausland.
Seit US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 seine zweite Amtszeit antrat, starben 14 Mexikaner in ICE-Haft, in mehreren Fällen wurde Suizid als Todesursache angegeben. Am 30. März erklärten mexikanische Konsularbehörden in Kalifornien, dass die Todesfälle ihrer Staatsangehörigen keine Einzelfälle seien, sondern Teil eines "alarmierenden und inakzeptablen Trends", der "systematische Versäumnisse und mögliche Fahrlässigkeit" seitens der US-Behörden widerspiegele.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte daraufhin an, dass sie die Todesfälle ihrer Landsleute in Gewahrsam der US-Behörden vor die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) bringen werde (amerika21 berichtete). Der Schritt ist eine direkte Kritik Mexikos an der Migrationspolitik der US-Regierung.

