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08.11.2015 Chile / Politik / Soziales

Präsidentin von Chile bringt weiteres Gesetz für Bildungsreform ein

Präsidentin Bachelet versichert, dass der Gesetzentwurf zur Zentralisierung des Schulsystems zu mehr Gleichheit und einer verbesserten Qualität im Bildungssystem beitragen wird

Präsidentin Bachelet versichert, dass der Gesetzentwurf zur Zentralisierung des Schulsystems zu mehr Gleichheit und einer verbesserten Qualität im Bildungssystem beitragen wird

Quelle: flickr.com
Lizenz: CC by 2.0

Santiago de Chile. Die Präsidentin von Chile, Michelle Bachelet hat einen Gesetzentwurf unterschrieben, der die Grundlage für die Zentralisierung des staatlichen Schulsystems schaffen soll. Die öffentlichen Schulen, seit Diktaturzeiten in kommunaler Hand, würden nach Verabschiedung des Gesetzes durch die zentrale Institution “Nationale Direktion der Öffentlichen Bildung“ verwaltet werden. Dadurch sollen die gravierenden Unterschiede, die zwischen armen und reichen Kommunen hinsichtlich der Bildungsqualität sowie der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte existieren, überwunden werden. Zudem würden die Schulen administrativ entlastet werden.

Das Projekt ist ein weiterer Bestandteil der Bildungsreform, die unter Bachelet nach und nach umgesetzt wird, um das chilenische Bildungssystem grundlegend umzustrukturieren. Um in Kraft zu treten, muss es sowohl im Senat als auch im Abgeordnetenhaus diskutiert und verabschiedet werden.

Die Präsidentin zeigte sich bei der Unterzeichnung des Entwurfs am 2. November enthusiastisch: “Mit diesem Projekt legen wir den letzten Baustein für ein System, das auf Inklusion basiert“, so die Präsidentin.

Weniger begeistert fielen die Reaktionen der Opposition aus, die grundsätzlich gegen eine Reformierung des Bildungssystems ist und verlauten ließ, sie werde über die Umsetzung der Reform wachen. Kritische Stimmen kamen aber auch aus den Reihen der Regierungskoalition. Die Parlamentarierin Camila Vallejo, Vorsitzende der Bildungskommission des Abgeordnetenhauses, äußerte Bedenken bezüglich der Kriterien, die bei der Finanzierung der Schulen angewandt werden sollen. Sie dürften sich nicht lediglich an der Anzahl und der Häufigkeit des Schulbesuchs der Schüler orientieren, vielmehr müssten Kriterien einbezogen werden, die auf die Qualität der Bildung abzielen.

Große Teile der chilenischen Schüler-, Studenten- und Lehrerschaft fordern seit Jahren eine grundlegende Reform des Bildungswesens, das noch unter dem Diktator Augusto Pinochet eingerichtet worden war und durch seinen hohen Privatisierungsgrad, horrende Studiengebühren, mangelhafte Qualität der Lehre sowie prekäre Beschäftigungsverhältnisse vieler Lehrender mitverantwortlich für die sozioökonomische Fragmentierung der Gesellschaft ist.

Bachelet war auch wegen ihres Versprechens, das Bildungssystem grundlegend zu verändern, wiedergewählt worden. Die anhaltenden Bildungsproteste zeigen, dass dies bislang nur unzureichend umgesetzt wurde. Kritiker befürchten, dass das Vorhaben, die Studiengebühren ab 2016 schrittweise abzubauen, doch nicht umgesetzt werden könnte. Das geplante Gesetz, das die Beschäftigungsverhältnisse, die Ausbildung sowie die Evaluation der Lehrenden reformieren soll, hatte landesweite Proteste ausgelöst. Auch das Gesetz zur Abschaffung der Schülerauslese, dem Profitstreben sowie der Schulgebühren wurde als unzureichend kritisiert, insbesondere, weil weder die Qualität der Bildung noch die Stärkung der öffentlichen Schulen angegangen wurden.

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