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26.11.2015 Mexiko / Medien / Menschenrechte

Zunehmende Angriffe auf unabhängige Medien in Mexiko

Die Journalistin Gloria Leticia Muñoz Ramirez nach dem Einbruch in ihre Wohnung

Die Journalistin Gloria Leticia Muñoz Ramirez nach dem Einbruch in ihre Wohnung

Mexiko-Stadt. Alternative Medienprojekte in Mexiko erleben eine Welle von Angriffen. So drangen vor zwei Wochen Unbekannte in das Büro des Online-Magazins Desinformémonos.org ein, zerstörten den Server und stahlen Computer sowie Handys. Kurz darauf wurde in der Wohnung der Journalistin Gloria Leticia Muñoz Ramirez, eine der Herausgeberinnen von Desinformémonos.org, eingebrochen. Dabei wurden keine wertvollen Gegenstände entwendet. Die Täter haben die Wohnung offensichtlich durchsucht. Auf dem Boden gab es Stiefelspuren, so Muñoz Ramirez. Bereits im September dieses Jahres ist bei einer weiteren Mitarbeiterin des Portals, Flor Goche, eingebrochen worden. Auch bei ihr wurde die Wohnung durchsucht.

Das Online-Magazin berichtete hauptsächlich über soziale Proteste und Bewegungen im Land und ist auch eine der Quellen für amerika21.de in Mexiko.

Im Oktober 2015 meldete der unabhängige Radiosender Kehuelga Störungen während der Sendezeit. Dadurch wurden Sendungen immer wieder unterbrochen. Die Kehuelga-Mitarbeiter berichten auch, dass sie verfolgt wurden. Im März 2015 ist das Studio des unabhängigen Radiosender RadioZapote von Schlägertruppen erheblich zerstört worden. Dabei wurden zwei Mitarbeiter geschlagen und drei weitere bedroht.

Diese beiden Radiosender haben von Demonstrationen und Protesten gegen die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto und gegen das Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten in Iguala live berichtet. Sie haben ihre Studios in einer eigentlich geschützten Zone auf dem Gelände der Nationalen Universität (UNAM) in Mexiko-Stadt.

Indessen haben die Eltern der verschwundenen Lehramtsstudenten Hacker-Angriffe auf ihre Facebook-Seite angezeigt. "Informationen sind von unserer Seite gelöscht worden, vor allem Meldungen über die Polizeiangriffe gegen Lehramtsstudenten am 12. November 2015 im Bundesstaat Guerrero", so die Eltern.

Auch bei der Journalistin Anabel Hernández, Mitarbeiterin des Wochenmagazins Proceso, ist eigebrochen worden. Sie sieht dies im Zusammenhang mit ihren Reportagen über den Fall Iguala und über die Flucht von Chapo Guzmán, Chef des Sinaloa-Drogenkartells.

Im Bundesstaat Veracruz sind am Wochenende neun Journalisten von Polizisten geschlagen worden, als sie über die polizeilichen Angriffe gegen die demonstrierenden unabhängigen Lehrer (CNTE) berichtet haben.

In den vergangenen 15 Jahren wurden in Mexiko 107 Journalisten ermordet. 20 sind bis heute verschwunden. Von 2005 bis 2015 wurden 48 Attentate gegen Büros verschiedener unabhängiger Medien verübt. Dies berichtete der Präsident der Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) am 22. November im Rahmen der Nationalen Rundfunk-Tagung.

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