García Linera mahnt Wirtschaftskompetenz linker Regierungen an

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Álvaro Garcia Linera im Interview mit Telesur
Álvaro Garcia Linera im Interview mit Telesur

La Paz. Der Vizepräsident des plurinationalen Staates Bolivien, Álvaro García Linera, hat in einem Interview die Ökonomie als Schlüsselfrage für die weltweite Linke bezeichnet. García Linera, der nicht nur Politiker, sondern auch ein ausgewiesener Theoretiker der zeitgenössischen progressiven Politiken in Lateinamerika ist, bezog in dem Gespräch mit dem lateinamerikanischen Nachrichtensender Telesur Stellung zu den Wahlerfolgen rechtsgerichteter und neoliberaler Kräfte in Argentinien und Venezuela sowie zu den laufenden Versuchen zur Amtsenthebung der Päsidentin von Brasilien, Dilma Rousseff.

Auf der politischen Bühne in Lateinamerika befänden die revolutionären Bewegungen sich "in Turbulenzen", so García Linera. Um das zeitweise Wiedererstarken der neoliberalen Konzepte zu überwinden, müssten die linken Kräfte in den kommenden Jahren ihre langfristige Kompetenz beweisen, eine nachhaltige Ökonomie entwickeln zu können. Dabei müsse dem Wirtschaftsmodell ein andersartiger Vorschlag zugrunde liegen als es der Neoliberalismus darstellt.

"Revolutionen fallen und erheben sich wieder, schreiten voran und weichen zurück, bis zu dem bestimmten Moment, von dem aus es kein Zurück mehr gibt", äußerte der Vizepräsident und betonte, das Wichtige sei dabei, aus jeder Niederlage die Lehren zu ziehen, um sie den Bewegungen in anderen Regionen zur Verfügung zu stellen. Darüberhinaus warnte der bolivianische Politiker, dass "die Rechte ihre Privilegien nicht still und leise abgeben wird, noch viel weniger das Imperium". Deswegen müsse der Kampf fortgeführt werden.

García Linera kann mit einigem Selbstbewusstsein von der lateinamerikanischen Linken mehr Hinwendung zur Ökonomie einfordern. Die Wirtschaftsdaten in Bolivien waren in den vergangenen Jahren positiv. Die Regierung von Präsident Evo Morales unternimmt große Anstrengungen, von der Rolle des Rohstofflieferanten für den industrialisierten Norden weg zu kommen und eine weiterverarbeitende Produktion im Land aufzubauen. Linera weist in dem Interview auch auf Boliviens Wirtschaftswachtum hin: "Wir sind von einer kleinen Ökonomie von neun Milliarden Dollar zu 36 Milliarden vorangekommen."

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