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12.04.2016 Mexiko / Menschenrechte

Immer mehr verschwundene Kinder und Jugendliche in Mexiko

Logo des Netzwerkes für die Rechte auf Kindheit in Mexiko (Redim)

Logo des Netzwerkes für die Rechte auf Kindheit in Mexiko (Redim)

Quelle: www.derechosinfancia.org.mx/

Mexiko-Stadt. Das Netzwerk für die Rechte auf Kindheit in Mexiko (Redim) schlägt Alarm. Nach einem Bericht der Organisation hat sich in Mexiko die Zahl verschwundener junger Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren im Zeitraum 2012 bis 2014 schlagartig erhöht. Wurden vor vier Jahren 172 Mädchen dieser Altersgruppe vermisst, waren es vor zwei Jahren 612.

"Es gibt keinerlei Garantie, dass diese Personen gesucht werden", so Juan Martín Perez García, Direktor von Redim. Die einzigen Konstanten in diesem Zusammenhang seien Straflosigkeit und Korruption. Die meisten dieser Fälle wurden in den vergangenen Jahren in den Bundesstaaten Mexiko, Tamaulipas und Baja California registriert. Dabei gibt es Hinweise für die Beteiligung des organisierten Verbrechens und die mögliche sexuelle Ausbeutung der Mädchen. Anders als bei den 15 bis 17-jährigen, wo 65 Prozent aller Verschwundenen Mädchen sind, handelt es sich bei verschwundenen Kleinkindern von null bis vier Jahren mehrheitlich um Jungen. Der Bericht führt das auf die Nachfragekriterien adoptionswilliger Personen in Mexiko und im Ausland zurück: "männlich, klein und mit heller Haut".

Der Redim-Report umfasst die Periode 2006 bis 2014, legt jedoch besonderes Augenmerk auf die jüngere Entwicklung. Seit 2012 gebe es "einen Anstieg des Verschwindens von Kindern und Jugendlichen, der nicht gestoppt hat", so Perez García. In dem gesamten Achtjahreszeitraum machten die Minderjährigen etwa 30 Prozent der insgesamt über 27.000 Verschwundenen aus. Inkonsistente offizielle Daten verhindern dem Bericht nach genauere Erkenntnisse über die Zahl wieder aufgetauchter Personen. Am 7. April hat Redim seinen Bericht vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) in Washington präsentiert.

Ergänzung der Redaktion:

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) hat unlängst im Jahresbericht 2015 informiert, dass in Mexiko rund 21 Millionen Kinder in Armut leben, fünf Millionen sind extrem arm. Wie die Unicef-Vertreterin für Mexiko, Isabel Crowley, ausführte, sind damit mehr als 50 Prozent der mexikanischen Kinder von Armut betroffen. Rund 20 Prozent der Kinder in ländlichen und elf Prozent in städtischen Gebieten sind chronisch unterernährt. Elf Prozent der Kinder zwischen sechs und 14 Jahren auf dem Land können weder lesen noch schreiben. Weiter heißt es in dem Bericht, dass im vergangenen Jahr 11.667 Kinder und Jugendliche aus den USA abgeschoben worden sind, 84 Prozent hatten sich unbegleitet auf den Weg gemacht.

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