Südamerika / Wirtschaft

Erdölexportierende Staaten in Lateinamerika für begrenzte Fördermenge

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Ecuadors Außenminister Long (Mitte) verliest die gemeinsame Erklärung
Ecuadors Außenminister Long (Mitte) verliest die gemeinsame Erklärung

Quito. Vertreter erdölexportierender Staaten Lateinamerikas haben ein gemeinsames Positionspapier über die Begrenzung der Fördermenge zur Stabilisierung des Ölpreises verfasst. Damit reagierten sie auf einen entsprechenden Vorstoß Russlands und Saudi Arabiens. An dem Treffen im Hauptsitz der Union südamerikanische Nationen (Unasur) in Mitad del Mundo am vergangenen Samstag nahmen die zuständigen Minister Boliviens, Ecuadors, Mexikos, Kolumbiens und Venezuelas sowie Vertreter der Lateinamerikanischen Energieorganisation (Olade) teil.

Der ecuadorianische Außenminister, Guillermo Long, verlas bei einer Pressekonferenz die entsprechende Erklärung. Demnach sei das Ziel der unterzeichnenden Länder "notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um den weltweiten Ölmarkt zwecks Verbesserung der Preise zugunsten der produzierenden und konsumierenden Länder zu stabilisieren". In dem Papier werden die weiteren erdölexportierenden Staaten aufgefordert, bei ihren Entscheidungen über die Fördermenge auf die "notwendige Balance zwischen Produktion und Nachfrage" zu achten, damit ein "ausgewogener Preis" erzielt wird.

Das Treffen kam in Hinblick auf die nächste Verhandlungsrunde der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und weiterer nicht organisierter Erdölexporteure in Doha am 17. April zustande. Mit der gemeinsamen Erklärung unterstützen die Vertreter Lateinamerikas den in Doha zu diskutierenden Vorschlag Saudi Arabiens und Russlands, die künftigen Fördermengen auf das Niveau des Monats Januar zu beschränken, sofern sich weitere Staaten zu gleichen Maßnahmen bereit erklären.

Die Unterstützung des Vorschlags gründet auf dem anhaltenden Überangebot des Rohstoffs auf dem weltweiten Markt. Entsprechend niedrig sind derzeit die Preise pro Barrel. Folglich sinken insbesondere die Staatseinnahmen derjenigen Staaten Lateinamerikas, deren Etats größtenteils vom Export des Erdöls abhängen. So erklärte die kolumbianische Ministerin für Minen und Energie, María Lorena Gutiérrez, am Rande des Treffens in Mitad del Mundo, dass der Preisverfall des Erdöls die Staatskasse belaste, da Erdölexporte 60 Prozent der gesamten Staatseinnahmen generieren. Bereits Wochen zuvor hatte sich Staatspräsident Correa zur Lage in Ecuador geäußert und angemahnt, dass der Erdölpreis mittlerweile nicht mehr die Förderkosten decke. Da Ecuador den US-Dollar führe, könne es keine eigenmächtige Abwertung der Währung zum Ankurbeln der Wirtschaft und Ausgleich der Exportverluste einsetzen. Kurz darauf kürzte die Regierung die Staatsausgaben. Ähnlich äußerte sich AußenministerLong, der sich durch das gemeinsame Positionspapier nun ein ausreichend starkes Signal für die kommende Doha-Runde erhofft.

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