Caracas. Nachdem US-Behörden letzten Mittwoch einen Öltanker in ihre Gewalt gebracht haben, sind die venezolanischen Rohöl-Exporte stark eingebrochen. Die Ausfuhrbewegungen in und aus venezolanischen Gewässern kommen nahezu zum Stillstand, was die ohnehin fragile Ölindustrie weiter unter Druck setzt. Daten aus der Schiffsverfolgung zeigen, dass unter anderem ein russischer Naphtha-Versorger für venezolanische Raffinerien und mehrere Supertanker, die venezolanisches Rohöl aufnehmen sollten, ihre Routen umkehrten. Das deutet darauf hin, dass Reeder angesichts der verstärkten Sanktionendurchsetzung im südlichen Karibikraum vorsichtig operieren.
Das US-amerikanische Militär hatte am vergangenen Mittwoch einen venezolanischen Öltanker aufgebracht. Nach Angaben aus Washington handelte es sich um eine gemeinsame Operation des FBI, des Heimatschutzministeriums (HSI) und der Küstenwache mit Unterstützung des Kriegsministeriums. Am Donnerstag erklärte die US-Regierung, das Schiff werde in einen US-Hafen gebracht. In einem von Washington veröffentlichten Video sind US-Truppen zu sehen, die den Tanker von Hubschraubern aus entern.
US-Präsident Donald Trump sprach am Mittwoch im Weißen Haus von der größten Beschlagnahmung eines Öltankers, die es bislang gegeben habe. Später teilte Generalstaatsanwältin Pam Bondi mit, der Tanker habe mutmaßlich venezolanisches Rohöl transportiert. Er sei wegen einer Verwicklung in ein illegales Öl-Transportnetz beschlagnahmt worden, das ausländische Terrororganisationen unterstütze. Ein hochrangiger US-Regierungsbeamter bestätigte der Nachrichtenagentur AP, die Operation habe in internationalen Gewässern stattgefunden. Zugleich kündigte der Beamte weitere Beschlagnahmungen in den kommenden Wochen an, um den Druck auf die Regierung von Präsident Maduro zu erhöhen.
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Die venezolanische Regierung verurteilte das Vorgehen der USA. Präsident Maduro sprach von einem "Akt der Piraterie" und einem systematischen Versuch, sich die Energieressourcen des Landes anzueignen. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez erklärte, sie habe den Generalsekretär der Internationalen Schifffahrts-Organisation (IMO), Arsenio Domínguez, telefonisch über die Vorfälle in der Karibik informiert. Ziel sei es gewesen, auf die Einschränkung der Freiheit von Handel und Schifffahrt aufmerksam zu machen.
Rodríguez sprach von einem "vulgären Raub" und erklärte, Begründungen wie der Kampf gegen den Drogenhandel, die Förderung von Demokratie und der Schutz der Menschenrechte seien vorgeschoben. Tatsächlich gehe es darum, den venezolanischen Ölhandel auf See zu beeinträchtigen. Die Militärpräsenz der USA sei überzogen und unverhältnismäßig. Venezuela habe die IMO offiziell aufgefordert, alle in internationalen Abkommen vorgesehenen Verfahren zum Schutz der freien Schifffahrt und des Seehandels zu aktivieren.
Präsident Maduro beklagte, dass die Besatzung des beschlagnahmten Tankers weiterhin vermisst werde und ihr Aufenthaltsort unbekannt sei. Zugleich kündigte er Schutzmaßnahmen für venezolanische Schiffe sowie diplomatische Schritte zur Sicherung des weltweiten Rohölhandels an. Venezuela werde seine Ressourcen verteidigen und lehne Militarismus ab, erklärte Maduro.


