Bolivien / Politik / Wirtschaft

García Linera: Nationalisierungen gaben Bolivien die Würde zurück

garcia_liner_bolivia_tv.jpg

García Linera im Interview mit dem staatlichen Fernsehsender Bolivia TV
García Linera im Interview mit dem staatlichen Fernsehsender Bolivia TV

La Paz. Der Vizepräsident von Bolivien, Álvaro García Linera, hat bekräftigt, dass die Nationalisierung der Erdöl- und Erdgasvorkommen vor zehn Jahren die Voraussetzung war, um das Fundament eines souveränen Staates zu legen.

Am 1. Mai 2006 unterzeichnete Präsident Evo Morales das Dekret, mit dem das südamerikanische Land die Kontrolle über die Energieressourcen, insbesondere über Erdöl und Erdgas, wiedererlangte. "Die Nationalisierung bescherte uns Geld, aber sie gab uns auch die Würde zurück. Finanzielle Mittel und Würde bilden die Grundlage für ein souveränes Land", sagte der Vizepräsident in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender Bolivia TV.

Er betonte zudem, dass ohne diese Verstaatlichungen "alle Träume, Erwartungen und Hoffnungen auf ein Land, in dem man besser leben wird, zerronnen wären". Die Erlöse aus dem Erdgas- und Erdölexport beliefen sich nach Angaben Lineras in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als 31 Milliarden US-Dollar – im Vergleich zu 2,5 Milliarden, die im gleichen Zeitraum eingingen, als dieser Sektor noch in Privatbesitz war.

Es reiche nicht, den politischen Willen zu haben, um eine nachhaltige Entwicklungspolitik zum Wohle der Gesellschaft zu betreiben, sondern das Land müsse sich die Verfügung über die  Ressourcen aneignen, die die materielle Grundlage für Souveränität und Fortschritt sind. García Linera verwies auf die zahlreichen Sozialprogramme, die die regierende Bewegung zum Sozialismus (MAS) unter Präsident Morales eingeführt hat. Diese seien nur durch die Nationalisierungen möglich geworden. Ohne diesen Schritt "wären wir heute weiterhin ein gedemütigtes Volk auf Knien vor den ausländischen Mächten", zeigte sich der Vizepräsident überzeugt.

Die Enteignungen seien eine Forderung breiter Teile der Bevölkerung und der sozialen Bewegungen gewesen. Morales habe in den ersten drei Monaten seiner Regierungszeit bereits eine geheime vierköpfige Gruppe gebildet, um diesen Schritt vorzubereiten und die Anweisung gegeben, eine militärische Einheit für die Besetzung der sich in Privatbesitz befindlichen Erdölfelder am 1. Mai 2006 bereitzustellen. Er sei der Ansicht gewesen, dass, wenn man das Risiko einer Besetzung nicht einginge, Bolivien weder vorankommen noch seine Würde wiedererlangen kann. Wenn man Angst vor den Risiken habe, die Kontrolle über die Bodenschätze zu übernehmen, könne man nicht regieren, sagte der Vizepräsident.

Wenn Sie über diesen Artikel mitdiskutieren wollen, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion auf unserer Facebook-Seite oder folgen Sie einfach diesem Link.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr