Landesweite Bauernproteste in Guatemala

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Blockade am Knotenpunkt Cuatro Caminos, Totonicapan
Blockade am Knotenpunkt Cuatro Caminos, Totonicapan

Guatemala-Stadt. Mehrere tausend Kleinbauern haben in Guatemala 29 zentrale Hauptverkehrsachsen im ganzen Land blockiert, um auf Ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Zum nationalen Streik am 11. Mai hatten die Nationale Koordination der Bauernorganisationen, das Komitee für die Bäuerliche Entwicklung (CODECA) und der Verband der Bauernorganisationen aus Vera Paz (UVOC) aufgerufen.

Der Staat kümmere sich weiterhin nicht um die Forderungen der guatemaltekischen Bevölkerung, heißt es in dem Aufruf der Organisatoren. Die verschiedenen lokalen und nationalen Organisationen stellten der Regierung hauptsächlich drei Forderungen: Eine Re-Nationalisierung der öffentlichen Dienste und Unternehmen, die privatisiert wurden. Damit verbunden ist die Forderung, die Subventionen an Großunternehmen aufzuheben und die Konzessionen von Wasserkraftwerken, Agro- und Bergbauunternehmen rückgängig zu machen, da diese soziale Konflikte verursachen, Land und Flüsse verschmutzen und den Gemeinden den Zugang zum Wasser verwehren. Zweitens wird die Gewährung der Ernährungssicherheit verlangt. 15 Prozent der Landwirtschaftsfläche müssten dem Anbau des Grundnahrungsmittels Mais zur Verfügung gestellt. Eine dritte Forderung ist die Reform des politischen Systems. Korrupte Kongressabgeordnete müssten zurücktreten und eine plurinationale verfassunggebende Versammlung einberufen werden.

Delegierte der beteiligten Organisationen führten in Guatemala-Stadt Gespräche mit Vizepräsident Jafeth Cabrera und dem Präsidenten des Parlaments, Mario Taracena. Cabrera versicherte ihnen, dass es eine Priorität des Präsidenten Jimmy Morales sei, die Probleme der Nation mittels Dialog anzugehen. Er werde drei "Runde Tische" über Kriminalisierung, Strom- und Bergbau und Zugang zu Land einrichten. Eine erste Dialogrunde solle am 20. Mai beginnen.

Francisco Sandoval von Codeca brachte im Verlauf des Treffens die Forderung der Protestierenden nach Beendigung der Kriminalisierung, Verfolgung und Ermordung von Gewerkschafts- und indigenen Führern vor. Dies sei eine Jahrzehnte andauernde entwürdigende Situation von Menschenrechtsverletzungen.

Obwohl die guatemaltekische Handelskammer eine Anordnung des Verfassungsgerichtes veranlasste, jegliche Behinderung des Verkehrs sei sofort polizeilich aufzulösen, fanden dank dem Sicherheitsprotokoll durch Vermittlungen der Menschenrechtsombudsstelle keine gewaltsamen Räumungen der Blockaden und keine Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten statt.

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