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05.07.2016 Mexiko / Kultur

Zeugen Jehovas beschädigen antiken Tempel in Mexiko

Gebäude der Otomí-Volksgruppe in Mexiko. Ein ähnliches Bauwerk nahe Hidalgo wurde nun zerstört

Gebäude der Otomí-Volksgruppe in Mexiko. Ein ähnliches Bauwerk nahe Hidalgo wurde nun zerstört

Quelle: Michael Mees
Lizenz: CC by 2.0

San Bartolo Tutotepec, Mexiko. Die Zeugen Jehovas in Mexiko haben zugegeben, einen Tempel der indigenen Volksgruppe der Otomi nahe der Stadt Hidalgo in Zentralmexiko massiv beschädigt zu haben, weil die dort praktizierten Riten nicht ihren christlichen Vorstellungen entsprochen haben. Über den Akt des Vandalismus berichteten mehrere mexikanische Zeitungen wie Reforma, La Jornada, Excélsior und das Internetportal Sinembargo.

Das betroffene religiöse Bauwerk, das zwischen sieben- und neuntausend Jahre alt sein soll, befindet sich in San Bartolo, Hidalgo, heißt es in den zitierten Medien. Mitglieder der Zeugen Jehovas hatten demnach schon vor einigen Monaten schwere Zerstörungen an dem historischen Bauwerk verursacht, ohne dass die lokale Polizei oder lokale wie nationale Regierungsstellen sich dazu geäußert hätten. Erst die Medienberichte hatten die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Fall gelenkt.

"Die Zeugen Jehovas haben erklärt, dass sie diese Taten verübt haben", sagte Luis Pérez Lugo, Professor an der Universität von Chapingo, gegenüber der Tageszeitung Excélsior. Unter den Verantwortlichen für die Verwüstungen hätten sich auch Personen befunden, die bis vor Kurzem an indigenen Zeremonien in dem Gebäude teilgenommen hatten, dann aber zu den Zeugen Jehovas konvertierten, fügte Pérez Lugo an.

"Diese Dinge (die prähispanischen Riten) seien nicht Teil ihrer Bibel, daher handele es sich um Schweinereien", zitierte der Professor Augenzeugen, die die Worte der Täter wiedergegeben hatten. Die Angreifer hätten die historischen Bauten als "Dreck" bezeichnet, der beseitigt werden müsse, weil er ihren Gott störe.

Zu dem historischen Gebäude seien Indigene der noch heute in Mexiko lebenden Otomi-Volksgruppe aus der Östlichen Sierra Maestra, Hidalgo, Puebla und Veracruz gekommen, um Naturgottheiten wie die Erde, das Wasser oder das Feuer zu verehren. In dem Tempel wurden auch Opfergaben erbracht, die bei dem Angriff der Zeugen Jehovas ebenfalls zerstört wurden.

Zunächst hatten Vertreter der Otomi-Volksgruppe auf die Zerstörungen hingewiesen. Sie bekräftigten auch, dass die Zeugen Jehovas die Taten nicht leugneten, sondern sie sogar verteidigten. Die indigenen Riten, die in dem Tempel praktiziert wurden, hätten mit dem Teufel in Verbindung gestanden, während sie im Auftrag Gottes handelten, hätten die Täter argumentiert.

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