Paramilitärs in Kolumbien finanzieren sich durch Menschenhandel

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Laut Walk Free Foundation (WKK) gibt es in Kolumbien 300.000 moderne Sklavinnen und Sklaven
Laut Walk Free Foundation (WKK) gibt es in Kolumbien 300.000 moderne Sklavinnen und Sklaven

Bogotá. Der Menschenhandel ist nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Anne Frank eine wichtige Finanzierungsform der paramilitärischen Banden in Kolumbien geworden. Dies prangerte die kolumbianische Nichtregierungsorganisation (NGO) anlässlich des Internationalen Tages gegen Menschenhandel an. Mit 300.000 sogenannten modernen Sklaven ist Kolumbien nach Angaben der Walk Free Foundation (WKK) das zweitwichtigste Land für den Menschenhandel auf dem amerikanischen Kontinent. An erster Stelle steht Mexiko.

Traditionell kontrollieren die Paramilitärs den illegalen Sektor in Kolumbien, nun haben sie sich auch das Monopol im Menschenhandel gesichert. Bei den Milliardenumsätzen sei dies nicht verwunderlich, erklärt die Aktivistin der NGO Anne Frank, Claudia Quintero: Mit 150 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz weltweit sei der Handel mit Menschen beziehungsweise die moderne Sklaverei aktuell das zweitprofitabelste illegale Geschäft. In Kolumbien können die ultrarechten kriminellen Banden einen Gewinn von circa 350.000 US-Dollar jährlich pro Mensch erzielen, so das Wirtschaftsmagazin Dinero.

Nicht nur nach Asien und Europa schicken die kolumbianischen Menschenhändler Sex-Sklaven. Es gibt auch einen großen Binnenhandel mit Menschen. Der größte Händler sei der sogenannte Clan Úsuga, auch als Urabeños oder Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen (AGC) bekannt, sagt Quintero. Hauptopfer des Clans seien Frauen in Not, meistens Opfer des bewaffneten Konflikts. Sie würden durch Täuschungen angeworben und in Fincas festgehalten, wo sie paramilitärische Söldner befriedigen müssten. Für den Clan sei dies eine Art von Dienstleistung für die Männer seiner bewaffneten Strukturen. Demzufolge wird der "Service" von ihrem Lohn abgezogen. Oft seien die Mädchen außerdem gezwungen, als Hausdienerinnen zu arbeiten. Viele der Opfer seien Kinder.

Es gebe kaum eine Region in Kolumbien, die nicht von Menschenhandel betroffen ist, sagt die Menschenrechtlerin. Selbst im Zentrum von Bogotá in der berüchtigten Elendszone "Bronx", wo vor kurzem Folter- und Zerstückelungshäuser entdeckt wurden, haben kriminelle, paramilitärische Banden Erwachsene und Kinder sexuell versklavt. Abgesehen davon sei in dem südamerikanischen Land die Kinderpornoindustrie ein blühendes Geschäft. Im Jahr 2015 habe es 2.500 pornographische Online-Portale gegeben, die Filme mit Kindern verbreiten.

In Kolumbien sei es einfach, mit Menschen zu handeln, klagt Quintana. Zum herrsche in staatlichen Institutionen wie Polizei und Migrationsbehörde Korruption. Zum anderen sei die Straflosigkeit extrem hoch. Beispielsweise untersuche die Staatsanwaltschaft aktuell nur 80 von 1.400 Fällen von Menschenhandel, die die Organisation Anne Frank gesammelt hat. Es mangele auch an einer einheitlichen Gesetzgebung zur modernen Sklaverei, so Quintero.

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