Beratung und Ausbildung für Streitkräfte in Kolumbien durch Nato

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Kolumbiens Soldaten sollen künftig von der Nato ausgebildet werden
Kolumbiens Soldaten sollen künftig von der Nato ausgebildet werden

Bogotá. Kolumbien und die Nato haben vereinbart, den Streitkräften des südamerikanischen Landes Nato-Berater zur Verfügung zu stellen und Soldaten auszubilden. Zudem soll Kolumbien künftig an Foren und internationalen Manövern des Bündnisses teilnehmen. Dies teilte das kolumbianische Verteidigungsministerium vergangene Woche mit.

Die Zusammenarbeit mit dem Nordatlantikpakt sei von großer Bedeutung, so der Oberkommandierende der Streitkräfte Kolumbiens, General Juan Pablo Rodríguez. Sie finde im Rahmen eines Programms namens "Building Integrity" (etwa: Integrität aufbauen) statt, das "auf einer Politik der stetigen Verbesserung des Verteidigungsministeriums, der Streitkräfte und der Nationalpolizei" basiere. Ziel sei die Erhöhung der "Transparenz und Legitimität" dieser staatlichen Einrichtungen. "Die Kooperation wird es uns ermöglichen, einige klare Parameter von einer der wichtigsten Organisationen der Welt in Sachen Sicherheit und Verteidigung zu bekommen. Wir sind interessiert daran, die Beziehungen und den Austausch bewährter Praktiken zu intensivieren", so Rodríguez.

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Offenbar soll die Beratung und Ausbildung durch die Nato den kolumbianischen Sicherheitskräften dazu dienen, ihren Ruf zu verbessern. Die Armee hat eine lange Geschichte von Klagen über Menschenrechtsverletzungen und "Falsos positivos", wie die Tötung unschuldiger Zivilisten durch Soldaten genannt wird, die diese als im Kampf gefallene Partisanen präsentieren und dafür Prämien erhalten. Wie Dario Azzellini, Politikwissenschaftler und Kolumbien-Kenner ausführt, ist das Militär des Landes "für extralegale Hinrichtungen, Folter, Krieg gegen die Zivilbevölkerung und Verschwindenlassen bekannt ... (und) half ab den 1980er Jahren mit der Unterstützung von transnationalen Konzernen, Drogenhändlern, Großgrundbesitzern und dem CIA paramilitärische Gruppen aufzubauen".

Ein Vorstoß von Präsident Juan Manuel Santos und der US-Regierung für einen Beitritt Kolumbiens zur Nato im Juni 2013 war in Kolumbien selbst und in anderen lateinamerikanischen Ländern scharf kritisiert und von Santos schließlich wieder zurückgenommen worden. Kolumbien und das Militärbündnis, dem derzeit 28 europäische und nordamerikanischen Staaten angehören, unterzeichneten daraufhin ein Abkommen, das unter anderem "den Austausch von Verschlusssachen" ermöglicht. "Die Vereinbarung ist eine Vorstufe zu einer möglichen künftigen Zusammenarbeit mit Kolumbien, die die Verbündeten im Rahmen der Nato entwickeln", so ein Funktionär des Bündnisses damals.

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