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10.08.2016 Chile / Politik / Umwelt / Wirtschaft

Streit um Gesetz zum Schutz der Gletscher in Chile

Gletscher in der Antarktis-Region von Chile

Gletscher in der Antarktis-Region von Chile

Santiago de Chile. In Chile geht der Streit um den gletschernahen Bergbau weiter. Seit Mai 2014 läuft die Diskussion um eine Gesetzesinitiative zum Schutz und Erhalt der chilenischen Gletscher (Ley para la Protección de Glaciares) im Nationalkongress. Erklärtes Ziel der Regierung ist es, den Zugang zu den Gletschern zu regulieren und den Abbau von Ressourcen insbesondere an Gletschern in Naturschutzgebieten zu verbieten. In den Augen der Umweltbewegung legalisiert sie mit dem Gesetz jedoch die Zerstörung der großen Mehrzahl der wichtigen Wasserreserven. Die Umweltbewegung demonstriert in der vergangenen Woche in der chilenischen Hauptstadt gegen die in ihren Augen an den Interessen der Bergbauunternehmen orientierte Regierungspolitik.

Chile besitzt 82 Prozent der südamerikanischen Gletscheroberfläche. Im Unterschied zum Nachbarland Argentinien gab es bislang jedoch keine besondere Regelung zum Schutz der Eisfelder. Dies soll sich nun ändern.

Für Umweltorganisationen wie Greenpeace steht fest, dass das neue Gesetz die Gletscher keineswegs schützt. Der Streit um die Gesetzesinitiative dreht sich vor allem um die Frage des Zugriffs, den die Regierung der Bergbauindustrie auf die Eisfelder und ihre Umgebung gewähren will. Die Organisation zur Verteidigung der Gletscher (Coordinación de Territorios por la Defensa de los Glaciares) wirft der Regierung vor, die Gletscher den Profiten der Großunternehmen auszuliefern.

Die chilenischen Eisfelder sind nicht nur in den Augen der Umweltschützer unverzichtbar für die konstante Wasserversorgung der Städte, Dörfer und der Landwirtschaft. Auch auf der Homepage des Umweltministeriums des Landes wird ihre Bedeutung für die Ökosysteme betont. Dennoch fällt in den trockenen Regionen von Atacama (nördlich) bis Maule (Zentralchile) kein einziger Gletscher unter die Kategorie "geschützt" oder "teilweise geschützt". In nördlichen Teilen Chiles, in denen es manchmal mehrere Jahre hintereinander nicht regnet, bildet das Wasser aus geschmolzenen Dauereis die einzige Wasserzufuhr. Am 13. Juni reichten chilenische Umweltorganisationen bei den Vereinten Nationen eine Klage gegen den chilenischen Staat ein.

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