Peru / Menschenrechte

Empörung über Äußerungen von Kardinal zu Vergewaltigungen in Peru

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Sieht die Schuld für Vergewaltigungen bei Frauen: Kardinal Juan Luis Cipriani aus Peru
Sieht die Schuld für Vergewaltigungen bei Frauen: Kardinal Juan Luis Cipriani aus Peru

Lima. Eine Äußerung des peruanischen Kardinal Juan Luis Cipriani zu Frauenrechten hat in Peru großes Aufsehen erregt. Der katholische Geistliche hatte gesagt, junge Mädchen provozierten sexuellen Missbrauch durch Zurschaustellung ihrer Körper durch unangemessene Kleidung. Es sieht die Schuld außerdem bei den Medien, die sexuelle Freizügigkeit propagierten.

Diese Äußerungen riefen Protest aus allen politischen Lagern hervor. Perus Frauenministerin Ana María Romero, die zusammen mit dem neu gewählten Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski und seinem übrigen Kabinett in der vergangenen Woche ihr Amt angetreten hatte, verurteilt die Einlassungen scharf. Auch der Präsident bezog Stellung: Die Äußerung des Kardinals und Mitglied der Sekte Opus Dei "schützen den Täter und sprechen ihn von jeglicher Schuld frei".

Angesichts der Vehemenz der Reaktionen erklärte der Erzbischof von Lima kurz darauf in seinem Radioprogramm, die Worte seien falsch interpretiert worden. Er verurteile jede Art von Missbrauch von Frauen. Die Frauenministerin bezeichnete diese Erklärung als wenig glaubwürdig und entgegnete, die Worte des kirchlichen Würdenträgers wären unmissverständlich und bedürften keinerlei Interpretation.

Letztendlich räumte Cipriani ein, er habe seine Worte "unglücklich gewählt". Knapp eine Woche nach dem Skandal entschuldigte sich der Bischof bei allen, "die sich durch seine Worte gekränkt fühlen könnten" und stellte klar, auch er verurteile jegliche Gewalt gegen Frauen. 

Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor weit verbreitet in Peru. Laut der Frauenministerin weist Peru die dritthöchste Vergewaltigungsrate im weltweiten Vergleich auf. Täglich würden vier Mädchen im Alter von elf bis 14 Jahren und elf Jugendliche im Alter von 15 Jahren schwanger. Die Nachrichten über Gewalt gegen Frauen häufen sich. So wurde beispielsweise am vergangenen Wochenende laut dem peruanischen Nachrichtensender PRR in Trujillo im Norden von Peru eine 20-Jährige mit einer Bierflasche am Kopf verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert, weil sie sich geweigert hatte, mit einem Mann zu tanzen.

Auch häusliche Gewalt ist immer noch weit verbreitetes Problem, über das meist Stillschweigen bewahrt wird. Die Fälle von Lady Guillén und Arlette Contreras jedoch lösten einen öffentlichen Aufschrei aus. Die Haftstrafen der Männer, die die beiden Frauen vergewaltigt hatten, wurden mangels Beweise aufgehoben. Aus Protest gegen ungeahndete Gewaltübergriffe gegen Frauen entwickelte sich die Bewegung "Ni una menos" – Nicht eine weniger. Bereits über 60.000 Menschen schlossen sich der auf Facebook gegründeten Initiative an. Am 13. August finden im ganzen Land verteilt Protestmärsche gegen Gewalt an Frauen statt, unter dem Motto: "Si tocan a una, tocan a todas" – Trifft es eine von uns, so trifft es alle. Auch die peruanische Frauenministerin wird unter den Teilnehmern sein.

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