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Bank des Südens will Infrastrukturprojekte in Lateinamerika finanzieren

Ökonom aus Uruguay hat Geschäftsführung der Bank übernommen. Finanzierung von gemeinsamen Projekten soll Souveränität und Entwicklung Südamerikas stärken
Logo der Bank des Südens

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Quelle: YñigoGenio
Lizenz: GFDL

Caracas. In einer vertraulichen Sitzung im Hauptsitz der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) in Venezuelas Hauptstadt Caracas hat der erste Geschäftsführer der Bank des Südens, Pedro Buonomo, seinen Dienst angetreten. Die Bank soll langfristige Infrastrukturprojekte in Südamerika finanzieren, die durch Unasur als notwendig festgestellt und ausgewählt werden, so Buonomo. Der neue und erste Präsident bekräftigte, diese Projekte sollten zur Souveränität der Region beitragen. Dabei sollten die Infrastruktur und das Wissen für Innovationen mit Vorzug behandelt werden.

Buonomo ist ein uruguayischer Ökonom mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der öffentlichen Finanzverwaltung. Er war unter anderem Berater des ehemaligen Präsidenten Uruguays, José Mujica, sowie zuvor Vize-Wirtschafts- und Finanzminister. Buonomo erklärte, es gebe regionale Infrastrukturprojekte, die von der Unasur bereits ausgewählt wurden und nun mit Blick auf die Finanzierung durch die Bank des Südens analysiert werden. Die meisten Vorhaben wären dabei langfristig geplant, weshalb Rückeinnahmen warten müssten. Es sei aber typisch für eine Entwicklungsbank, einzugreifen, um wichtige Projekte zu ermöglichen, so Buonomo.

Der Wirtschaftswissenschafter erklärte zudem, die zentrale Rolle von Infrastrukturprojekten sei "nicht nur in der Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte, sondern auch wegen der sozialen Dimension, der Gleichheit und dem Zugang der verschiedenen Gesellschaftsbereiche" begründet. Hinsichtlich der Kenntnisse für Innovationen betonte Buonomo, dass die Akkumulation dieses Wissens ein Ziel der lateinamerikanischen Völker sein sollte. Man benötige Finanzierungselemente, um die "Wissens- und Innovationsgeneration" im produktiven Rahmen, etwa im Gesundheits- und Energiebereich, zu fördern. Er erinnert daran, dass die vernetzte Region Strategien benötigt, um den Offensiven großer Länder für Freihandelsabkommen entgegenzutreten. "Wir müssen Instrumente finden, die uns helfen, mit der Finanzierung von Projekten zu beginnen und die uns stärken, um unsere Souveränität und unsere Entwicklung zu steigern", so Buonomo. Die derzeitige geopolitische Instabilität sei entscheidend dafür gewesen, die Tätigkeiten der Bank jetzt mit der Ernennung ihrer personellen Führung aufzunehmen.

Die Notwendigkeit einer Gemeinschaftsbank für die Region wird am Beispiel Brasilien deutlich, wo gerade aufgrund von Korruptionsfällen die Finanzierung von Projekten in sechs Ländern Lateinamerikas storniert wurde. Am Sonntag informierte die Gruppe von Tageszeitungen Amerikas (GDA) darüber, dass 16 geplante Infrastrukturprojekte in sechs lateinamerikanischen Ländern aufgekündigt werden sollen. Grund dafür ist die größte Korruptionsuntersuchung in der Geschichte Brasiliens, die seit 2014 unter dem Namen "Lava Jato" (Autowaschanlage) rund um den halbstaatlichen Erdölkonzern Petrobras läuft. Dabei wird gegen die fünf größten Bauunternehmen Brasiliens ermittelt. Eigentlich sollten diese Unternehmen die Infrastrukturprojekte durchführen, es sollen jedoch großflächig Bestechungsgelder an Politiker gegen Verträge und andere Gefallen gezahlt worden sein.

Brasiliens staatliche Nationalbank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (BNDES) zog daraus Konsequenzen und setzte die Millionenfinanzierung in Argentinien, Venezuela, Kuba, der Dominikanischen Republik, Honduras und Guatemala aus. Venezuela ist von dem Ausfall am stärksten betroffen. Fünf Infrastrukturprojekte werden neu verhandelt werden müssen, darunter auch der Ausbau der Metro in Caracas, für dessen Bau die BNDES rund 1,3 Milliarden Dollar beisteuern sollte.

Das Direktorium der Bank des Südens setzt sich zunächst aus Repräsentanten von Venezuela, Uruguay, Ecuador und Bolivien zusammen. Das Startkapital beträgt 90 Millionen Dollar, die für regionale Projekte genutzt werden sollen. Die Verpflichtung für die ersten fünf Jahre beinhaltet, dass die größeren Länder ‒ Brasilien, Argentinien und Venezuela ‒ jeweils zwei Milliarden Dollar beitragen. Ecuador und Uruguay beteiligen sich mit einer Einzahlung von 400 Millionen, Bolivien und Paraguay steuern 100 Millionen Dollar bei. In Übereinstimmung mit der im Jahr 2007 unterzeichneten Gründungsurkunde der Bank des Südens bleibt ihr Hauptsitz in der venezolanischen Hauptstadt Caracas.

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