Mexiko-Stadt. Die mexikanische Regierung plant, die Öllieferungen nach Kuba wieder aufzunehmen. Dies erklärte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum in einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche. Laut der Präsidentin geht es dabei nicht um humanitäre Hilfe, sondern um einen Handelsaustausch, der die in Kuba beschlossenen neuen Reformen nutze und mexikanische Unternehmen mit einschließt. "Es handelt sich nicht um eine humanitäre, sondern um eine wirtschaftliche Frage. Mit den neuen, vom kubanischen Kongress und der Regierung genehmigten Bestimmungen können nun engere Handelsbeziehungen mit mexikanischen Unternehmen in Kuba aufgebaut werden."
Sheinbaums Äußerungen erfolgten wenige Tage, nachdem die kubanische Nationalversammlung ein von der Regierung von Präsident Miguel Díaz-Canel initiiertes Reformpaket aus 176 Maßnahmen verabschiedet hatte (amerika21 berichtete). Mit den Reformen will der kubanische Staat den Auswirkungen der massiv verschärften US-Blockade entgegenwirken und langjährige strukturelle Probleme des kubanischen Wirtschaftsmodells lösen. Die Maßnahmen beinhalten unter anderem die Zulassung der Beteiligung von nationalen und ausländischen Privatunternehmen am Import und Vertrieb von Kraftstoffen.
Laut dem staatlichen Ölkonzern Petróleos Mexicanos (Pemex) lieferte Mexiko 2025 durchschnittlich 15.000 Barrel Rohöl und 2.200 Barrel raffinierte Erdölprodukte pro Tag. Nach der Entführung des Staatschefs von Venezuela, Nicolás Maduro, am 3. Januar durch die USA wurde Mexiko zum wichtigsten Öllieferanten Kubas. Ende Januar stellte Pemex die mexikanischen Treibstofflieferungen auf die Insel jedoch ein. Grund dafür waren die Drohungen der Vereinigten Staaten mit Sanktionen gegen Nationen, die Kuba Rohöl verkaufen.
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Obwohl Sheinbaum ihre Ablehnung der US-Maßnahme zum Ausdruck brachte, setzte sie die mexikanischen Öllieferungen nach Kuba aus, um Vergeltungsmaßnahmen ihres wichtigsten Handelspartners zu vermeiden. Mexiko steht kurz vor der Neuverhandlung des Handelsabkommens T-MEC, das das lateinamerikanische Land mit den USA und Kanada geschlossen hat. Der Präsident erklärte damals, Mexiko werde trotz der Aussetzung der Lieferungen nach Möglichkeiten suchen, weiterhin humanitäre Hilfe nach Kuba zu bringen. Seitdem hat Mexiko mehrere Schiffe mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern auf die Insel entsandt. Die jüngste Lieferung traf am 7. Juni ein und umfasste 1.700 Tonnen Produkte aus Mexiko und Belize.
Kuba befindet sich seit der Verschärfung der US-Blockade in einer Energiekrise mit weitreichenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Die einzige nennenswerte Öllieferung der letzten Monate auf die Insel war eine Ladung von 730.000 Barrel, was etwa 100.000 Tonnen Öl entspricht. Sie traf Ende März aus Russland an der kubanischen Küste ein.

