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28.03.2017 Mexiko / USA / Menschenrechte

Menschen an der Grenze zwischen USA und Mexiko verschwunden

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA

Quelle: David Ludwig
Lizenz: CC by-sa 2.0

Tucson, USA. Zwei US-amerikanische Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung der USA vor, für das Verschwinden von Flüchtlingen an der US-mexikanischen Grenze verantwortlich zu sein. Dies geht aus einem gemeinsamen Bericht der Hilfsorganisation "Derechos Humanos" aus Tucson, Arizona, und der Menschenrechtsgruppe "No More Deaths" (Keine weiteren Toten) hervor.

Alleine Derechos Humanos hat bereits 544 Fälle von Flüchtlingen dokumentiert, bei denen Angehörige den Kontakt oder die Spur zu Verwandten und Freunden verloren haben und verzweifelt auf die Organisation zu kamen. Das Verschwinden von Menschen, die den Versuch unternehmen, die Grenze in die USA illegal zu überqueren, sei eine "direkte Konsequenz" der angewandten Methoden von US-Grenzbehörden, schreibt Gabriel Schivone im Magazin Nacla über die Ursachen.

Die wachsende Zahl an Vermissten und Toten würde auf staatliche Gewalt gegen die Flüchtlinge an der südlichen US-Grenze zurückgehen, wie es weiter heißt. Verantwortlich dafür sei die Taktik der US-Grenzpolizei: Mit Hubschraubern, Geländefahrzeugen, Hunden und schlagenden Beamten würden die Migranten in lebensgefährliches Gelände gejagt und verstreut. US-amerikanische Beamte würden ihren "Zielen" dabei auch psychische und physische Schäden zufügen. Von den 544 dokumentierten Fällen der Hilfsorganisation Derechos Humanos sei die "Jagd- und Zerstreuungstaktik" der Grenzpolizei für das Verschwinden von Menschen in 84 Fällen ursächlich, wovon 31 tödlich endeten.

Das wachsende Netz an Internierungseinrichtungen sei ein weiterer Grund, weshalb die Spur zu Angehörigen zunehmend verloren ginge. Wenn als verschollen geltende Personen wieder auftauchen, so der Bericht, dann entweder in Internierungslagern, in Leichenhallen oder skelettiert in der Wüste, wobei viele menschliche Überreste nicht mehr identifiziert werden können. Tausende würden erst gar nicht mehr gefunden.

Aber auch die Familien der Verschwunden gehören zu den Opfern. Die Belastung, nicht zu wissen, was mit den Angehörigen geschehen ist, ob sie überhaupt noch am Leben sind oder leiden müssen, könne die Menschen "auffressen". Die Praktiken, die zum Verschwinden tausender Flüchtlinge führen, würden außerdem Löcher in Familien und sogar ganze Gemeinden reißen, schreibt Schivone bezugnehmend auf die Autoren des Berichts weiter.

Von 2000 bis 2014 sollen laut einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 6.000 "illegale" Einwanderer an der US-mexikanischen Grenze umgekommen sein.

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