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Karawane von Angehörigen verschwundener Migranten endet in Mexiko

Mütter und Väter verschwundener Migranten bei der 12. Karawane durch Mexiko

Mütter und Väter verschwundener Migranten bei der 12. Karawane durch Mexiko

Tapachula, Mexiko. Eine Protestzug von Eltern von Migrantinnen und Migranten aus Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala hat am 3. Dezember sein Ziel in Tapachula im mexikanischen Bundesstaat Chiapas nahe der Grenze zu Guatemala erreicht. Ab Mitte November waren die Teilnehmenden auf der Suche nach ihren verschwundenen Kindern durch Mexiko gereist. Der 12. Protestzug "Wir suchen Leben auf Todeswegen" besuchten elf Bundesstaaten und 30 Städte und legte dabei fast 4.000 Kilometer zurück. Zeitweise teilte sich die 41-köpfige Gruppe in kleinere Einheiten auf und reiste auf verschiedenen Routen. In vier Fällen gab es ein Wiedersehen, darunter ein Treffen von zwei Schwestern, die sich seit 37 Jahren nicht mehr gesehen hatten.

In den zwölf Jahren, in denen die jährliche Aktion nun stattfindet, erreichte sie bisher 269 Zusammenführungen von Familienangehörigen. Wie jedes Jahr hatten auch diesmal hunderte von Personen, die die Reise nicht mitmachen konnten, Fotos von ihren Angehörigen mitgegeben, die auf dem Weg aus Zentralamerika in die USA mutmaßlich in Mexiko verschwunden sind.

Die Mitglieder der Karawane nahmen während zweieinhalb Wochen an Foren und mehreren Pressekonferenzen teil. Sie besuchten Migrantenherbergen, Bars, Regierungsstellen, Haftanstalten und bekannte Treffpunkte von Migranten im ganzen Land und sammelten dabei Hinweise, mit deren Hilfe sie weitere Angehörige ausfindig zu machen versuchten. Organisiert wird die Karawane vom Movimiento Migrante Mesoamericano (M3), der mesomerikanischen Migrantenbewegung. Zum politischen Ziel gehört es, auf den immer gefährlicheren Transit in Mexiko und die menschlichen Tragödien der aktuellen Migrationspolitiken aufmerksam zu machen.

Auf ihren Veranstaltungen und in einer Pressemitteilung übte die Karawane deutliche Kritik an der Haltung der mexikanischen Regierung unter Präsident Enrique Peña Nieto, die, wie es von Seiten der Aktivisten hieß, staatliche Verbrechen an Migranten toleriere. Seit der Umsetzung des von den USA finanziell unterstützen Plans "Südgrenze" im Jahr 2014, der die Migrationsbewegungen aus Mittelamerika kontrollieren und stoppen soll, seien die Bedingungen für Migranten noch schlimmer und gefährlicher geworden. Die mexikanische Politik sowie die Wahl Donald Trumps "lassen Zeiten mit noch mehr Rechtsverletzungen und Unsicherheit erahnen", so die M3. "Brücken ja – Mauern nein", lautete die diesjährige Botschaft der Karawane.

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