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08.04.2017 Brasilien / Kuba / Kultur / Soziales

Alphabetisierung in Brasilien mithilfe kubanischer Methode

Bildungsprogramm für Jugendliche und Erwachsene in Brasilien

Das Bildungsprogramm für Jugendliche und Erwachsene wurde in Brasilien verlängert, organisiert wurde es von der Landlosenbewegung MST im Bundesstaat Maranhão

Quelle: brasil.gov.br
Lizenz: CC by-nd 3.0

Maranhão, Brasilien. Im Bundesstaat Maranhão im Nordosten von Brasilien sind 2016 mehr als 7.000 Personen mithilfe der kubanischen Methode "Yo si puedo" ("Ja, ich kann es") alphabetisiert worden. Allein 20 Prozent der Bevölkerung in Maranhão gilt laut Angaben des Statistischen Bundesamtes von Brasilien (IBGE) als Analphabeten, das entspricht gut 13,5Millionen Menschen. Im ländlichen Gebiet ist der Anteil mit bis zu 40 Prozent noch höher.

Um dem entgegenzuwirken, hat die Landlosenorganisation MST Alphabetisierungskurse für Jugendliche und Erwachsene organisiert, gemeinsam mit den lokalen Behörden. In den Bezirken mit dem niedrigsten Entwicklungsstand nach dem UN-Index über menschliche Entwicklung (Human Development Index, HDI) wurde das kubanische Projekt durchgeführt. Das Bildungsmodell ermöglicht es den Teilnehmenden, innerhalb von knapp fünf Monaten einen Alphabetisierungsstand zu erreichen, der mit konventionellen Methoden erst nach etwa einem Jahr möglich wäre.

Ziel dabei ist es nicht nur die Alphabetisierung, sondern auch andere soziale Probleme anzugehen, so die Koordinatorin Simone Silva Pereira. Denn nach der Alphabetisierung hört das Programm nicht auf, sondern beschäftigt sich mit gesunder Ernährung, dem Problem der Gewalt gegen Frauen und der Notwendigkeit, weiter zu lernen. Dies ermögliche der lokalen Bevölkerung auch den Zugang zu modernen Techniken, besseren Arbeitskonditionen und höherer Rendite, so Adelmo Soares, Minister für Landwirtschaft des Bundesstaates.

Trotz des überwiegend positiven Echos gab es auch erhebliche Schwierigkeiten. So war es in vielen Regionen nur möglich, mit dem Motorrad zu den Schulgebäuden zu gelangen, was sich vor allem bei Regenwetter besonders negativ auf den Transport des Lehrmaterials auswirkte, da die Straßen in schlechten Zustand sind. Ebenso ungenügend sei der Zustand der Räumlichkeiten, die etwa als Kultursäle oder Kirchenräume genutzt worden waren. Weiterhin stellte die Harmonisierung des Lehrplans mit dem Arbeitsleben der Lernenden eine Herausforderung dar, vor allem die durch die Arbeit im Bergwerk bedingte Müdigkeit war hier ein gewichtiger Faktor. Hinzu kam die teilweise fehlende Motivation der Lernenden zu Beginn des Unterrichtes, wie auch bürokratische Regeln, vor allem bei Schulklassen die aus indigener Bevölkerung bestanden. Hier musste, neben der Vermittlung von Lese- und Schreibfähigkeiten, zunächst eine grundlegende Verständigung in Portugiesisch zwischen Lehrenden und Lernenden hergestellt werden, um anschließend in der neuen Sprache Lesen und Schreiben zu vermitteln.

Ein besonders Problem stellte auch die Sehschwäche und Überanstrengung der Augen vieler Lernenden dar, die trotz fehlender Brillen an den Unterrichtseinheiten teilnehmen mussten, da das Programm nicht verschoben werden konnte. Wenig verwunderlich sind daher Beschreibungen, wie die des 67-jährigen Bauern Manoel Vieira de Sousa, dem zufolge es "sehr schwer" gewesen sei, da er zu Beginn "nichts gewusst habe, nicht einmal die Buchstaben". Dennoch wolle er jetzt mehr erreichen, sagte de Sousa.

Im Jahr 2016 wurden durch 702 Lehrende und 71 Koordinierende insgesamt 628 Klassen unterrichtet. Rund 75 Prozent der über 9.000 Teilnehmer konnten so Fähigkeiten im Lesen und Schreiben vermittelt werden. Dies entspricht einer Zahl von über 7.000, prozentual gesehen jedoch weniger als einem Prozent der Analphabeten. Daher hat MST, wie auch das Bildungsministerium für 2017 weitere Alphabetisierungsmaßnahmen zugesagt, bei der eine Verdopplung der aktuellen Zahlen angestrebt wird.

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