Argentinier gegen die Ernennung von Sonderbotschafter in Berlin

argentinien_dario_loperfido_kultur_botschaft_botschafter_protest.jpg

Lopérfido steht wegen Äußerungen zur Militärdiktatur in Argentinien heftig in de
Lopérfido steht wegen Äußerungen zur Militärdiktatur in Argentinien heftig in der Kritik

Berlin. Nach dem Bekanntwerden der Ernennung des argentinischen Kulturmanagers Darío Lopérfido zum "Sonderbeauftragten für die argentinische Kultur" in Berlin haben mehr als 100 Künstler, Intellektuelle und Wissenschaftler in einem offenen Brief an die argentinische Botschaft gegen diese Entscheidung protestiert. Das Schreiben wird am heutigen 2. Mai der Botschaft übergeben, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiatoren der Aktion.

Der ehemalige Kulturminister von Buenos Aires, Darío Lopérfido, musste im vergangenen Jahr nach umstrittenen Aussagen und massivem Druck von Menschenrechtsorganisation von seinem Amt zurücktreten. Lopérfido hatte die Höhe der Zahl der Verschwundenen während der Militärdiktatur in Frage gestellt und die offizielle Zahl von 30.000 Verschwundenen als eine Lüge bezeichnet. Diese sei erfunden, um Subventionen zu erhalten.

"In Folge der Polemik um die Relativierung der Verbrechen der argentinische Militärdiktatur von 1976 bis 1983 und des zivilgesellschaftlichen Druckes sah sich Lopérfido zudem zum Rücktritt von einem weiteren Posten als Leiter des Theaters Colón gezwungen", heißt es in der Pressemitteilung.

Die Regierung unter Präsident Mauricio Macri habe ihm daraufhin den neugeschaffenen Posten als "Sonderbotschafter für argentinische Kultur" mit Sitz in Berlin geschaffen, wo Lopérfidos Ehefrau lebt.

Die Unterzeichner zeigen sich besorgt über die Ernennung Lopérfidos und verweisen in ihrem offenen Brief, der amerika21 vorab vorlag, auf seine Relativierungen von Menschenrechtsverbrechen durch die Diktatur.

Das an den Botschafter Luís María Kreckler gerichtete Schreiben verweist auch auf die noch immer ungeklärten Korruptionsvorwürfe im Zuge seiner Involvierung in die durch die Panama Papers bekannt gewordenen Offshore-Aktivitäten.

Lopérfidos Äußerungen hatten bereits Anfang 2016 Proteste von Menschenrechtsgruppierungen ausgelöst. Er hatte die 30.000 Ermordeten und "Verschwundenen" angezweifelt und stattdessen von 8.000 gesprochen. Die durch seine Kommentare ausgelöste Kontroverse nannte er einen "üblen Nachgeschmack" der links-peronistischen Vorgängerregierungen unter Néstor und Cristina Kirchner (2001-2015). Menschenrechtler wie die Madres de la Plaza de Mayo bezeichneten sein Infragestellen als "unethisch", da es der Glaubwürdigkeit der Opferorganisationen schade.

Lopérfido war 2015 geschäftsführender und künstlerischer Direktor des Teatro Colón in der argentinischen Hauptstadt. Damals war Macri regierender Bürgermeister der autonomen Stadt. Mit Amtsantritt der Regierung Macri am 10. Dezember 2015 wurde Lopérfido zum Kulturminister befördert.

Wenn Sie über diesen Artikel mitdiskutieren wollen, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion auf unserer Facebook-Seite oder folgen Sie einfach diesem Link
Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr