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Kolumbien hatte 2016 weltweit die meisten Binnenflüchtlinge

Binnenflüchtlinge Kolumbien

In Kolumbien lebten 2016 laut einem Bericht des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) des norwegischen Flüchtlingsrates weltweit die meisten Binnenflüchtlinge

Bogotá. Das Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) des norwegischen Flüchtlingsrates hat seinen jährlichen Bericht zur Situation und Entwicklung der Zahlen von Binnenflüchtlingen vorgelegt. In Kolumbien lebten demnach im Jahr 2016 etwa 7,2 Millionen Menschen, die aufgrund von Gewalt und Vertreibung ihre Heimat verlassen mussten.

Im Jahr 2016 mussten in Kolumbien 202.000 Menschen fliehen, davon 171.000 wegen ungelöster Konflikte und 31.000 wegen Naturkatastrophen. Der Regionaldirektor des Flüchtlingsrats für Lateinamerika, Christian Visnes, setzte die aktuellen Zahlen auch in Relation zum Jahr 2015: in dem Jahr wurden noch 220.000 Menschen zu Binnenflüchtlingen aufgrund von Konflikten, also etwa 50.000 mehr als 2016. In Lateinamerika folgen nach Kolumbien mit weitem Abstand Mexiko (23.000), Honduras (16.000) und Guatemala (6.200) bei der Anzahl der innerhalb des Landes geflohenen Personen.

Der Bericht machte aber auch deutlich, dass man die Situation aller Binnenflüchtlinge weltweit nicht ohne Weiteres gleichsetzen kann, da man bedenken muss, dass Flüchtlinge aufgrund akuter kriegerischer Auseinandersetzungen wie in Syrien oder dem Jemen auch nach ihrer Flucht noch immer in äußerst prekären Umständen wie Flüchtlingslagern leben müssen. In Kolumbien leben 78 Prozent der Geflüchteten in Städten, allen voran in Ballungszentren wie Bogotá oder Cali. Jedoch leben auch diese mehrheitlich (etwa 80 Prozent) unterhalb der Armutsgrenze, knappe 35 Prozent sogar in extremer Armut. Am meisten von "Massenvertreibungen" (über zehn Familien oder 50 Personen) im Zeitraum Januar 2014 bis August 2016 betroffen sind indigene und afro-kolumbianische Gemeinschaften mit einem Anteil von 74 Prozent.

Visnes betonte im Zuge der Vorstellung des Berichts, dass die aktuellen Zahlen einmal mehr als klares Indiz zu werten sind, dass die Anstrengungen für ein erfolgreiches Voranschreiten und Umsetzen des kolumbianischen Friedensprozesses von großer Bedeutung sind. Leider könne man heute noch nicht von einem Ende des bewaffneten Konflikts in Kolumbien sprechen.

Die Länder, die nach Kolumbien in absoluten Zahlen am meisten Binnenflüchtlinge haben, sind Syrien (6,3 Millionen), der Sudan (3,3 Millionen), der Irak (3,0 Millionen) und die Demokratische Republik Kongo (2,2 Millionen). Zu berücksichtigen ist beim Vergleich dieser Zahlen jedoch auch das Fehlen offizieller Zahlen aus den meisten Ländern, allen voran aus Kriegsgebieten. Die Zahl der Binnenflüchtlinge richtet sich dort oftmals nach Schätzungen, während die Zahlen aus Kolumbien auf offiziellen Registrierungen und Zählungen beruhen.

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