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Paraguay: Proteste fünf Jahre nach dem Massaker von Curuguaty

Der Demokratische Volkskongress hatte zur Demonstration in Paraguay aufgerufen

"Land, Gerechtigkeit, Freiheit": Der Demokratische Volkskongress hatte zur Demonstration in Paraguay aufgerufen

Quelle: elciudadano.cl

Asunción. Der Demokratische Volkskongress in Paraguay, ein Zusammenschluss linksgerichteter Parteien und Organisationen, hat anlässlich des Jahrestages des Massakers von Curuguaty Ende dieser Woche zu Demonstrationen aufgerufen. Hunderte Bauern und Aktivisten folgten dem Appell in der Hauptstadt Asunción unter dem Motto "Land, Gerechtigkeit und Freiheit". Sie forderten eine "dringende, notwendige Agrarreform" für eine Verteilung des Landes. Paraguay ist laut der internationalen Hilfsorganisation Oxfam eines der Länder mit der höchsten Konzentration von Landeigentum: Weniger als drei Prozent der Bevölkerung besitzen demnach rund 85 Prozent des Bodens.

Das Massaker in Curuguaty am 15. Juni 2012 kostete nicht nur 17 Menschenleben, es hatte auch die Absetzung des linksgerichteten Präsidenten Fernando Lugo in einem Eilverfahren zur Folge. Zu den Toten zählten elf Bauern und sechs Polizisten. Hunderte Angehörige der Polizei waren zusammengezogen worden, um etwa 70 Landarbeiter von einem Stück Land zu vertreiben, das sie besetzt hatten, um dessen Einbeziehung in die Bodenreform zu erreichen. Im Juli 2016 verurteilte das Gericht in der Hauptstadt Asunción elf angeklagte Bauern zu Gefängnisstrafen zwischen vier und 30 Jahren. Anfang Juni wurden die Urteile im Berufungsverfahren bestätigt.

Diese Urteile sollen nun angefochten werden. Am Mittwoch fand eine Gedenkwache statt, bei der Bauernführer Federico González laut der Tageszeitung ABC Color ankündigte, neue Anzeigen zu erstatten. Es gehe ihm darum, das tatsächliche Geschehen ans Tageslicht zu bringen und Gerechtigkeit für die Mitstreiter zu erreichen, die Haftstrafen verbüßen, nur weil sie um ein Stück Boden gekämpft hätten. Die Kleinbauern wurden wegen vorsätzlichen Mordes, Zusammenschluss zu einer kriminellen Vereinigung sowie Landfriedensbruch verurteilt. Der Prozess behandelte ausschließlich die getöteten Polizisten, nicht die zivilen Opfer.

Zu dem Massaker kam es, als eine Polizeieinheit auf Ersuchen des Innenministeriums eine Gruppe Bauern von dem Landgut Campos Morombo vertrieb. Der blutige Zwischenfall diente der damaligen Oppositions- und heutigen Regierungspartei Partido Colorado als Vorwand, um die Absetzung Lugos durch eine politische Aburteilung im Parlament zu erreichen.

Dieser Vorgang wurde von Stimmen im Land und auch im Ausland als parlamentarischer Putsch verurteilt.

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